Der Schlosspark Jever als Lebensraum für Wildbienen

Im Schlosspark Jever sind derzeit 31 Wildbienenarten beheimatet, darunter einige gefährdete und seltene Arten. Dieses wurde 2025 im Rahmen eines Monitorings des Projekts „Schlosspark Jever im Klimawandel“ festgestellt. Der Park bietet ihnen geeignete Nistplätze, Baumaterialien für den Nestbau sowie ein vielfältiges Angebot an Pollen- und Nektarpflanzen.

Laut Roter Liste der Wildbienen Deutschlands gelten derzeit 53% der Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. Vor diesem Hintergrund leistet der Schlosspark einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der regionalen Wildbienenpopulationen und bietet zugleich Potenzial zur Förderung weiterer Arten.

Wildbienen -zu denen auch die Hummeln zählen- haben eine enorme ökologische Bedeutung. Die Fruchtbarkeit und Vielfalt unserer Landschaft und unserer Gärten hängt maßgeblich von ihrer Bestäubungsleistung ab, denn jede Blüte ist auf Bestäubung angewiesen, um Samen und Früchte bilden zu können. Durch ihre eifrige Bestäubungsleistung sichern Wildbienen somit nicht nur die Fortpflanzung zahlreicher Pflanzenarten, sondern auch die Nahrungsgrundlage vieler Tierarten.

Studien zeigen, dass Wildbienen bei gleicher Blütenbesuchsrate einen etwa doppelt so hohen Fruchtansatz erzielen wie Honigbienen. Ihr Beitrag zur biologischen Vielfalt und zur Stabilität unserer Ökosysteme ist daher von unschätzbarem Wert.

Woran erkennt man eine Wildbiene?

Wichtig zu wissen: Zu den Wildbienen zählen sowohl die einzeln lebenden Solitärbienen als auch die staatenbildenden Hummeln:

 

• Solitärbienen

93% der heimischen Wildbienenarten sind einzeln lebende Solitärbienen. Diese Bienchen fliegen (bis auf wenige Ausnahmen) als Einzelgängerinnen durch das Leben, eifrig damit beschäftigt, ihre Brutzellen in Niströhrchen anzulegen und in diese Pollen und Nektar, sogenanntes „Pollenbrot“, einzutragen, als Futter für ihren Nachwuchs. Die Weibchen sorgen ganz allein für die nächste Bienengeneration.

Typische Merkmale der Solitärbienen:

  • Solitärbienen besitzen zwei relativ lange, deutlich sichtbare Fühler,
  • Viele Arten sind stark behaart, was ihnen das Sammeln von Pollen erleichtert. Je nach Art verfügen sie über unterschiedliche „Sammelvorrichtungen“: So gibt es Bein- und Bauchsammler mit entsprechenden Behaarungen an den Beinen oder unter dem Bauch. Unbehaarte Wildbienen (beispielsweise die Maskenbienen) nutzen einen Kropf zum Sammeln von Pollen und Nektar
  • Ihre Größe kann sehr variieren, von 3 mm (die winzige Schmalbiene) bis zu 23 mm (die Blauschwarze Holzbiene)
  • Viele Wildbienenarten sind nur während eines begrenzten Zeitfensters aktiv, das sich nach den Blühzeiten ihrer jeweiligen Nahrungspflanzen richtet
  • Etwa 32% der Wildbienenarten sind spezialisiert, zum Beispiel auf Pollen der Blüten einer Pflanzenfamilie oder sogar nur einer einzigen Pflanzenart. Häufig lässt bereits ihr Name auf diese Spezialisierung schließen, beispielsweise die Hahnenfuß-Scherenbiene, Weiden-Sandbiene, Rainfarn-Maskenbiene oder Glockenblumen-Scherenbiene
  • Drei Viertel der solitären Wildbienenarten legen ihre Niströhren im Boden an. Nur etwa ein Viertel der Arten baut ihre Kinderstuben in markhaltige Pflanzenhalme oder nutzt alte Fraßgänge von Käferlarven zum Anlegen der Brutzellen

Faszinierend ist die Brutpflege der Solitärbienen: Sie beginnt mit dem Bau zahlreicher Brutzellen und reicht bis zur gezielten Versorgung jeder einzelnen Larve mit einem für die Entwicklung der jungen Wildbiene exakt bemessenen Vorrat an „Pollenbrot“, einer Mischung aus Pollen und Nektar.

Rund ein Drittel der Wildbienenarten ist auf ganz bestimmte Blüten angewiesen. Der Lebenszyklus dieser Spezialisten und ihre „Ausstattung“ zum Sammeln von Pollen und Nektar sind genau an die Blühzeiten und die Blütenformen der entsprechenden Pflanzen angepasst. Ihre Fortpflanzungsbiologie ist an das Vorkommen ganz bestimmter Pflanzen gebunden, so dass sie nur bestimmten Jahreszeiten zu entdecken sind.

Solitärbienen haben im Gegensatz zu staatenbildenden Honigbienen und Hummeln keinen Honigvorrat zu verteidigen und stechen daher so gut wie nie, zudem kann der Stachel der meisten Weibchen die menschliche Haut kaum durchdringen. Daher können diese friedlichen Vertreter der Familie der Bienen daher gefahrlos aus nächster Nähe bei ihrem Brutgeschäft beobachtet werden, beispielsweise an Nisthilfen.

Sogenannte „Kuckucksbienen“ bauen übrigens keine eigenen Nester sondern legen ihre Eier stattdessen in die Brutzellen anderer Wildbienen.

• Hummeln

Etwa 7% unserer heimischen Wildbienenarten sind Hummeln. Sie leben in Staaten von 50-600 Tieren.

Typische Merkmale der Hummeln:

  • Hummeln sehen durch ihre "plüschig" wirkende Behaarung aus wie große, pummelige Bienen. Sie haben eine pelzartige, meist mehrfarbige Behaarung und sind im Flug an einem tiefen, lauten Summen oder Brummen zu erkennen. Pollen und Nektar sammeln und transportieren sie in sogenannten Pollenhöschen an ihren Hinterbeinen. Anhand der Farben ihres Pelzes lassen sich die verschiedenen Hummelarten grob unterscheiden. Je nach Art legen sie ihre Nester in einem verlassenen Mäusenest im Boden, in Baumhöhlen oder in Vogel-Nistkästen an.

Gut geschützt durch ihren dicken Pelz, können Hummeln bereits bei kühlen Temperaturen von 2-6 °C ausfliegen (Honigbiene erst ab etwa 10 °C). Dadurch spielen sie eine besonders wichtige Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen, insbesondere von Obstkulturen. Untersuchungen zufolge besucht eine einzige Hummel im Laufe eines Tages über 3.000 Blüten.

 

Weitere Informationen:

 

Welche Wildbienen kommen im Schlosspark Jever vor?

Im Rahmen eines 2025 durchgeführten Monitorings wurden 31 Wildbienenarten festgestellt, darunter einige gefährdete und seltene Arten (grün hinterlegt).

Dazu wurde der gesamte Park über mehrere Monaten hinweg an ein bis zwei sonnigen Tagen systematisch abgelaufen und mögliche Nistplätze wie Totholz, offene Bodenstellen, Insektennistkästen und Ritzen in Mauern gezielt untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass etwa 63 % der im Park vorkommenden Arten bodenbewohnend sind, 22 % Hohlräume nutzen und der Anteil der Kuckucksbienen 15 % beträgt.

Die größten Ansammlungen von Wildbienen wurden auf Flächen mit Löwenzahn und Giersch beobachtet. Das unterstreicht die Empfehlung, weitere Flächen mit heimischen Blütenpflanzen anzulegen,  beispielsweise durch das verwenden von Stauden in den Beeten, Wiesenansaaten mit zertifiziertem Regio-Saatgut (UG 1) oder gezieltes wachsen lassen von Naturwiesenbereichen, um das Nahrungsangebot zu erweitern und die Wildbienenpopulationen gezielt zu fördern.

Langfristig wird empfohlen, standortfremde Gehölze durch heimische Arten wie Weißdorn, Schlehe oder Hundsrose zu ersetzen, um das Nahrungsangebot weiter zu verbessern und die ökologische Vielfalt des Schlossparks zu stärken.

 

Folgende Wildbienenarten wurden im Schlosspark festgestellt:

Name

Name wissenschaftlich

Bemerkungen zur Lebensweise

Bärtige Sandbiene

Andrena barbilabris,

Nistet im Boden und gehört zu den wenigen Arten, die auch mit lockerem Sand zurechtkommen. Als Futterquellen im Park nutzt sie Wiesen-Löwenzahn, Gamander-Ehrenpreis, Giersch, Stiel-Eiche, den Spitz- und den Berg-Ahorn

Schottische Erdbiene

Andrena carantonica

 

Goldbeinige Sandbiene

Andrena chrysosceles

 

Graue Sandbiene

Andrena cineraria

 

Rotbeinige Körbchensandbiene

Andrena dorsata

 

Weiße Bindensandbiene

Andrena gravida

 

Rotschopfige Sandbiene

Andrena haemorrhoa

 

Schlehen-Lockensandbiene

Andrena helvola

 

Gewöhnliche Zwergsandbiene

Andrena minutula

 

Rotbeinige Rippensandbiene

Andrena tibialis

Nistet an schütter bewachsenen Stellen in der Vegetation, sowohl in sandigen als auch in lehmigen Böden und ist im Schlosspark wahrscheinlich auf Wiesenlöwenzahn und diverse Bäume, wie die Stiel-Eiche, den Spitz- und den Berg-Ahorn als

Futterquelle angewiesen.

 

Weidensandbiene

Andrena vaga

 

Gemeine Pelzbiene

 

Anthophora plumipes

 

Feld-Kuckuckshummel

Bombus campestris

 

Baumhummel

Bombus hypnorum

 

Ackerhummel

Bombus pascuorum

 

Wiesenhummel

Bombus pratorum

 

Dunkle Erdhummel

Bombus terrestris

 

Gefleckte Kuckuckshummel

 

Bombus vestalis

 

Glockenblumen-Scherenbiene

Chelostoma rapunculi

 

Gemeine Seidenbiene

Colletes daviesanus

 

Dunkelfransige Hosenbiene

Dasypoda hirtipes

Bevorzugt sandigen Offenboden als Nistplatz und ist auf Korbblütler spezialisiert. Im Park dienen ihr die Wegwarte, der Herbst-Löwenzahn und die Acker-Kratzdistel als wichtige Futterquellen

 

Rotbeinige Furchenbiene

Halictus rubicundus

 

Gemeine Löcherbiene

Heriades truncorum

 

Beulen-Maskenbiene

Hylaeus difformis

Nistet in vorhandenen Hohlräumen, etwa in verlassenen Nestern der Gemeinen Schornsteinwespe in Lehmwänden, aber auch in Käferfraßgängen im Totholz, markhaltigen Pflanzenstängeln und Nisthilfen. Bekannte Nahrungspflanzen dieser Art sind unter anderem verschiedene Lauch-Arten, die Kanadische Goldrute, der Gewöhnliche Natterkopf, verschiedene Kohl-Arten, die Rundblättrige Glockenblume sowie die Brombeere.

 

Mauer-Maskenbiene

Hylaeus hyalinatus

 

Gemeine Furchenbiene

 

Lasioglossum calceatum

 

Dunkelgrüne Schmalbiene

Lasioglossum morio

 

Wespenbiene

Nomada fabriciana

 

Wiesen-Wespenbiene

 

Nomada marshamella

 

Rote Mauerbiene

 

Osmia bicornis

 

 

Osmia leaiana

 

Zweihöckrige Mauerbiene

Osmia leaiana

Nutzt bestehende Hohlräume für die Nestanlage, insbesondere Käferfraßgänge in Totholz. Sie nimmt jedoch auch Löcher in Steinen, Schilfhalmen oder

Nisthilfen (wie Holzbohrungen oder Bambusröhrchen) an, wobei ein Durchmesser von etwa

5 mm bevorzugt wird. Diese Art ist ebenfalls auf Korbblütler spezialisiert und verwendet im Schlosspark die Wegwarte, das Jakobs-Kreuzkraut und die Acker-Kratzdistel als Nahrungspflanzen

 

Empfohlene Futterpflanzen, um die festgestellten seltenen und gefährdeten Wildbienen zu fördern:

  • Rundblättrige Glockenblume (Beulen-Maskenbiene)
  • Gewöhnlicher Natterkopf (Beulen-Maskenbiene)
  • Wiesen-Flockenblume (Wegwarten-Hosenbiene, Zweihöckrige Mauerbiene)
  • Raps (Rotbeinige Rippensandbiene, Beulen-Maskenbiene)
  • Skabiosen-Flockenblume (Wegwarten-Hosenbiene)
  • Wiesen-Pippau (Zweihöckrige Mauerbiene)
  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Wegwarten-Hosenbiene, Zweihöckrige Mauerbiene)

 

Lust mitzumachen und den Garten zu einem Lebensraum für Wildbienen zu entwickeln?

Wildbienen sind dort zu Hause, wo sie ein reichhaltiges Angebot an blühenden, heimischen Pflanzen als Nahrungsquelle und vielfältige natürliche Strukturen zur Anlage ihrer Brutröhrchen vorfinden, ob im Boden, in hohlen Stängeln von Brombeerranken oder Stauden, Käferbohrgängen in Totholz oder einer Nisthilfe.

Da sie nur eine geringe Flugdistanz von artspezifisch 50 bis 300 Metern zwischen Brutplatz und Nahrungsquelle zurücklegen, ist für sie eine kleinräumige Vernetzung von großer Bedeutung.

Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Wildbienenarten beitragen, indem wir:

  • eine blütenreiche Wiese anlegen, bevorzugt mit regionaltypischen Pflanzenarten und diese abschnittsweise mähen,
  • einen Teilbereich des Rasens ungemäht belassen, so dass sich daraus eine Naturwiese entwickeln kann; diese jeweils Ende März auf einer Höhe von 10-15 cm abmähen und das Mahdgut abtragen,
  • Stauden- und Kräuterbeete anlegen, dabei Staudenstängel als Überwinterungsmöglichkeit für Wildbienen den Winter über stehen lassen und erst gegen Ende März/Anfang April in den ersten warmen Frühlingstagen des Folgejahres zurückschneiden,
  • Sträucher und Bäume, beispielsweise Sal- oder Silberweide, Obstbäume, Beeren- und Holundersträucher erhalten oder neu anpflanzen,
  • die eine oder andere „wilde Ecke“ im Garten belassen, diese bei Bedarf abschnittsweise pflegen,
  • Altholz in einer ungestörten Ecke des Gartens anhäufen und vergehen lassen,
  • Nisthilfen z.B. in Form eines „Wildbienen-Hotels“ oder Sandariums anbieten,
  • insektenfreundlich gärtnern, ohne den Einsatz chemischer Pflanzen- und Insektenschutzmittel. In einem naturnahen Garten wird beispielsweise Blattlausbefall durch das Vorkommen von Meisen, Marienkäfern, deren Larven, den Larven von Florfliegen, Schwebfliegen etc. durch die natürliche Selbstregulation reduziert,
  • an heißen Tagen den Bienen Wasser in einer Insektentränke oder flachen Schale anbieten.

 

Weitere Informationen:

 

Mitmach-Aktionen:

 

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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.