Getreidefeld und blauer Himmel im Hintergrund Bäume und Hausdächer

Beispiel: Stoppelbrache in Moorwinkelsdamm

"Ich setze diese Maßnahme auf einer Fläche um, die für Feldvögel sehr attraktiv ist. Viele Tiere profitieren und für mich ist es kein Aufwand. Die Fläche ist keilförmig, der maschinelle Bearbeitungsaufwand daher ohnehin größer, da leiste ich gern einen Beitrag für Artenschutz".

 

Uwe Sieckmann
Moorwinkelsdamm

Auch auf dem Acker können Landwirte die Biodiversität durch vielfältige Maßnahmen fördern. Neben Blühflächen und Zwischenfrüchten ist auch die Getreide- Stoppelbrache ein wichtiges Instrument, um die Agrarlandschaft für Feldvögel und Insekten ökologisch aufzuwerten. Diese sehr wirksame Naturschutzmaßnahme auf Ackerflächen bietet gerade während der allgemeinen Feldarbeiten im Herbst vielen Arten der Feldflur wertvollen Rückzugs- und Lebensraum. Auflaufende Ackerwildkräuter und Ausfallgetreide liefern Feldvogelarten (u.a. Feldlerche, Goldammer, Grauammer, Rebhuhn) und Wildarten (Feldhase, Fasan) vielfältige Nahrung. Die Flächen sollten nach der Getreideernte bis zum 01.03. des Folgejahres nicht bearbeitet werden.

Wie geht das?

So entsteht eine Stoppelbrache

Uwe Sieckmann aus Moorwinkelsdamm bewirtschaftet einen Betrieb mit Mutterkuhhaltung und Ackerbau.

Nach der Getreideernte im Juli lässt er auf einer Fläche die Stoppeln den Herbst und Winter über brach liegen. Erst im März des darauffolgenden Jahres pflügt er sie wieder um. Dabei erfolgt die nachfolgende Aussaat der Frühjahrskultur mit geringem Bodeneingriff über Minimalbodenbearbeitung bzw. Direkt- oder Streifensaatverfahren (z.B. Strip-Till zu Mais).

Diese Bewirtschaftungsweise wirkt sich positiv auf die Bodenstruktur aus, da sie Erosion reduziert, die Verdunstung verringert und die Wasserspeicherung verbessert. Die verbleibende, unbearbeitete, grobe Oberflächenstruktur mit Pflanzenresten bietet auch Bodenbrütern, beispielsweise dem Kiebitz, ein abwechslungsreiches Habitat. Daher sollte vor der Frühjahrsbearbeitung überprüft werden, ob sich Nester auf der Fläche befinden, um diese bei Bedarf zu schützen.

Der ökologische Nutzen lässt sich zusätzlich steigern, wenn ergänzend kleinere Getreideflächen stehen gelassen werden. Dadurch erhöht sich die Strukturvielfalt und es entstehen weitere Rückzugs- und Nahrungsräume für verschiedene Tierarten.

 

 

 

Was hat die Pflanzen- und Tierwelt davon?

Text: Petra Walentowitz

 

Links:

Stoppelbrachen, Zeitschrift "Wild und Hund", Singhofen

Überwinternde Stoppelbrache, Landwirtschaft für Artenvielfalt, Berlin

Stoppelbrache, Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, Herford

Stoppelbrache, Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Bonn

Stoppelbrachen - eine Chance für spätblühende Ackerwildkräuter?, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), Laufen

Fragen und Infos zur Umsetzung / Fördermaßnahmen, was muss beachtet werden?

Stoppelbrachen entstehen, wenn Ackerflächen nach der Getreideernte nicht unmittelbar umgebrochen werden, sondern die Stoppeln über einen längeren Zeitraum stehen bleiben und die Fläche sich für eine gewisse Zeit selbst überlassen bleibt.

Ziel dieser Maßnahme ist es, die biologische Vielfalt auf Ackerflächen zu fördern: Auf den Flächen können sich Ackerwildkräuter, und die Samen von Ausfallgetreide als eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten entwickeln. Gleichzeitig bieten Stoppelbrachen wertvolle Rückzugsräume für Offenlandarten wie Feldvögel, überwinternde Vogelarten sowie Kleinsäuger, beispielsweise Feldhasen. Auch Amphibien profitieren während ihrer Wanderphasen davon, wenn der Boden nicht gestört wird.

Standort:

Geeignet sind vor allem Flächen, auf denen die nächste Kultur erst im Frühjahr angebaut wird, beispielsweise bei Mais, Zuckerrüben oder Sommergetreide. Besonders sinnvoll ist die Anlage auf weniger ertragreichen Standorten. Je nach Zielsetzung können auch Flächen in der Nähe von Gewässern, Hecken oder Gehölzstrukturen ausgewählt werden. Weniger geeignet sind dagegen Flächen mit starkem Auftreten ertragsmindernder Beikräuter.

Umsetzung:

In der praktischen Umsetzung bleiben die Stoppeln nach der Ernte mit einer Höhe von mindestens etwa 20 cm stehen. Idealerweise erfolgt keine Bodenbearbeitung bis in das folgende Frühjahr. Die Stoppelbrachen sollten möglichst eine Breite von mindestens 6 Metern und eine Größe von etwa 0,5 Hektar erreichen. Allerdings können auch kleinere, streifenförmige Bereiche bereits positive Effekte erzielen.

Pflege:

Ein besonderer Pflegeaufwand ist nicht erforderlich. Wichtig ist jedoch, vollständig auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Die Flächen können jährlich wechseln, sodass sie in die Fruchtfolge integriert werden können.

Standdauer:

Die Dauer der Nutzung richtet sich nach der angebauten Folgekultur und den angestrebten ökologischen Effekten: Für eine optimale Wirkung sollte die Fläche möglichst bis Ende Februar unberührt bleiben. Für die Förderung von Ackerwildkräutern reicht ein Stehenlassen bis mindestens Mitte August, während für Amphibien ein Verzicht auf Bodenbearbeitung bis in den Herbst hinein vorteilhaft ist. Soll insbesondere überwinternden Vogelarten und Kleinsäugern geholfen werden, empfiehlt sich ein Belassen der Stoppeln über den Winter hinweg.

Agrarförderung:

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