Förderung der Biodiversität an Straßen- und Wegrändern und auf öffentlichen Grünflächen
Seit 2020 finden unter dem Motto „Blühendes Friesland“ in Zusammenarbeit der Mobilen Umweltbildung-MOBILUM und dem Landkreis Friesland jährlich Schulungen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bauhöfe der Kommunen des Landkreises Friesland und weitere Akteure statt. Daraus entwickelte sich dank des großen Engagements aller Beteiligten ein landkreisübergreifendes Projekt zur biodiversitätsfördernden Pflege von Straßen- und Wegrändern und öffentlichen Grünflächen.
Nachdem in den ersten Jahren seitens der Bauhöfe verschiedene Maßnahmen in der Praxis erprobt wurden, um Erfahrungen zu sammeln, wurde gemeinsam ein Pflegekonzept entwickelt, das nun in Form einer „Checkliste“ veröffentlicht wurde und flächendeckend im Rahmen der Möglichkeiten im Landkreis Friesland umgesetzt wird.
Das Konzept sieht vor,
auf geeigneten Flächen die Vegetation wachsen und sich entwickeln lassen, Pflegemaßnahmen grundsätzlich abschnittsweise durchzuführen, zudem möglichst spät im Jahr, mit einer Mahdhöhe von über 10-15 cm (eine Handbreite). Mindestens 10% der Vegetation sollte bei Pflegemaßnahmen stehen bleiben, auch den Winter über.
Auf welche Weise profitieren Pflanzen und Tiere davon?
- Auf den naturnahen Flächen können Pflanzen blühen und sich fortpflanzen, so dass ihre Arten langfristig bestehen bleiben. Die Samen dienen der Tierwelt in den Herbst und Wintermonaten als Futter.
- In den Blüten finden Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten ein vielfältiges Nahrungsangebot aus Pollen und Nektar. Einige Insektenarten sind sogar auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert und können ohne diese nicht überleben.
- Die Blätter der Blütenpflanzen (auch der Gräser) bieten Nahrung für Käfer, Schmetterlingsraupen und Heuschrecken. Viele Insektenarten sind auf die Blätter ganz bestimmter Pflanzen spezialisiert und somit darauf angewiesen. Man geht davon aus, dass an jeder heimischen Pflanzenart etwa 15-50 Insektenarten leben.
- Neben Nahrung bieten naturnahe Flächen Unterschlupf für Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und kleine Säugetiere. Dieser Schutz ist überlebenswichtig, insbesondere für das Überwintern.
- Bei vielen Insekten beginnt das Leben im Frühjahr mit dem Schlüpfen aus dem Ei als Raupe oder Larve. In diesen Stadien sind sie nicht flugfähig. Erst als ausgewachsene Tiere können sie fliegen.
- Bei einer frühen flächendeckenden Mahd überlebt nur ein kleiner Teil des Insektennachwuchses. Ihnen fehlt nach der Mahd die notwendige Lebensgrundlage und Deckung. Deshalb sollte zu einem möglichst späten Zeitpunkt und immer abschnittsweise gemäht werden.
- Wichtig ist außerdem, dass naturnahe Flächen miteinander vernetzt und räumlich nah beieinander liegen, da der Lebensradius vieler Insektenarten nur zwischen 5 und 200m beträgt.
- Ein großer Teil des Lebens vieler Insekten, Amphibien, Reptilien, Vogelküken und Kleinsäuger wie dem lgel spielt sich in Bodennähe ab. Daher sollte die Mahdhöhe mindestens 10-15 cm also ein Handbreit oder mehr betragen.
- Auf einem Quadratmeter Naturfläche leben 100 bis 500 Insekten.
Warum dieses Konzept?
Derzeit stehen wir als Gesellschaft vor großen Herausforderungen, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und erhalten. Dieses betrifft neben dem Klimaschutz insbesondere den Erhalt der Vielfalt unserer heimischen Pflanzen- und Tierarten: Rund die Hälfte (!) der heimischen Pflanzen- und Tierarten gilt laut der Roten Liste Niedersachsens derzeit als gefährdet. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, da jede einzelne Art wichtige Leistungen für ein stabiles ökologisches Netzwerk erbringt, in das auch wir eingebunden sind.
Mit dem Konzept möchten die Akteure des Projektes auch Privatpersonen, Unternehmen, Gewerbe- und Handwerksbetriebe, Institutionen und Vereine dazu ermuntern, diesem Beispiel zu folgen und Maßnahmen auf geeigneten Flachen umzusetzen.
Für unsere Pflanzen- und Tierwelt zählt jeder Quadratmeter -und wir und unsere Kinder können auf diesen Flächen die natürliche Schönheit Frieslands erleben.
Die Partner des Gemeinschaftsprojektes:
- Landkreis Friesland
- MOBILUM-Mobile Umweltbildung
- Straßenmeisterei Jever, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Aurich
- Gemeinde Wangerooge
- Gemeinde Wangerland
- Stadt Jever
- Stadt Schortens
- Gemeinde Sande
- Gemeinde Zetel
- Gemeinde Bockhorn
- Stadt Varel
- Naturkieker Friesland der Oldenburgischen Landschaft
- NABU Sande
- BUND Friesische Wehde
- Regionales Umweltzentrum, RUZ, Schortens
Kontakt:
- MOBILUM (Mobile Umweltbildung), Petra Walentowitz, E-Mail: mobilum@friesland.de, Telefon: 0151 51440267
- Landkreis Friesland, Dr. Henrike Wiggering, E-Mail: h.wiggering@friesland.de, Telefon: 04461 919 5111
Die Checkliste zum Herunterladen:
Weitere Informationen:
- Newsletter-Archiv der Kommunen für Biologische Vielfalt (KommBio), einem Zusammenschluss von Städten, Gemeinden und Landkreisen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich für artenreiche Naturräume im Siedlungsbereich und in der freien Landschaft einsetzen, Kommunen für biologische Vielfalt e.V., Radolfzell
- Merkblatt Altgrasstreifen? Insektenstreifen! - Naherholungsgebiete für unsere Insekten schaffen, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), Laufen
- Praxisleitfaden "Etablierung und Aufwertung von Säumen und Feldrainen", Hochschulen Osnabrück und Anhalt, Bundesministerium für Bildung und Forschung
- Praxisleitfaden "Einstieg in die ökologische Straßenrandpflege", Oberfranken
- Praxis-Handbuch "Kommunale Grünflächen, vielfältig, artenreich, insektenfreundlich", Bayrisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
- Neun- Punkte- Plan gegen das Insektensterben, Verfasst von den Vortragenden des Internationalen Insektenschutzsymposiums 2018
- Merkblatt Erntetechnik und Artenvielfalt, AGRIDEA, Lindau
- Straßenbegleitgrün, Handreichung zur Pflege von Grasflächen an Straßen, Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Stuttgart
- Erhöhung der Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün, Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Stuttgart
- Kommunale Grünflächen: Praxis-Handbuch für Bauhöfe, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, München
- Handlungsleitfaden zur Anlage und Pflege naturnaher Grünflächen, Landkreis Ostallgäu, Marktoberdorf