Beispiel Altgrasstreifen in Dauergrünland in Zetel
"Wir nutzen die Ökoregelung 1d (Altgrasstreifen in Dauergrünland), da Teile unseres Dauergrünlands aus kleineren, schwer zu bewirtschaftenden Flächen bestehen – etwa weil sie zu nass oder zu uneben sind. Dort sind die Erträge ohnehin gering. Die Förderung ist attraktiv und gleichzeitig leisten wir einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt in unserer Agrarlandschaft"
Auf intensiv genutztem Grünland erfolgen in der Regel vier bis fünf Schnitte pro Jahr, um eine ausreichende Futterversorgung des Viehbestands sicherzustellen. Dadurch dominieren meist wenige ertragreiche Gräser wie das Deutsche Weidelgras, während die Artenvielfalt deutlich abnimmt.
Bleiben Teilflächen jedoch bewusst ungemäht, können sich dort Pflanzen entwickeln und zur Blüte kommen, die bei häufiger Mahd keine Chance hätten. Dadurch entstehen wertvolle Strukturen und Lebensräume, die Insekten, Feldvögeln, Amphibien und Kleinsäugern Nahrung, Deckung und Rückzugsräume bieten.
Mit dieser einfach umzusetzenden Maßnahme lassen sich auf Grünland ohne großen zusätzlichen Aufwand wertvolle Strukturen schaffen, wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von Tierarten schaffen und die biologische Vielfalt nachhaltig fördern.
Wie geht das?
So entsteht ein Altgrasstreifen
Fredo Eilers bewirtschaftet als Familienbetrieb einen Milchviehbetrieb in Zetel. Für seine 220 Milchkühe benötigt er qualitativ hochwertiges und energiereiches Futter. Insgesamt bewirtschaftet er 191 Hektar landwirtschaftliche Fläche – darunter auch Bereiche, die sich aufgrund ihrer Standortbedingungen nur eingeschränkt nutzen lassen, beispielsweise feuchte Grünlandflächen, nasse Senken oder ertragsschwächere Bereiche.
Auf diesen Flächen verzichtet er bewusst auf eine intensive Bewirtschaftung. Die Mahd erfolgt in Abhängigkeit von der Witterung und Befahrbarkeit der Fläche im darauffolgenden Jahr ab April mit dem ersten Schnitt, wenn die in den Altgrasstreifen überwinternden Insekten mit zunehmenden Temperaturen wieder mobil werden und die Flächen verlassen können. (-Ohne Pflegemaßnahmen würden diese Flächen im Laufe der natürlichen Sukzession langfristig verbuschen).
Auf den Altgrasstreifen können sich Pflanzen entwickeln und zur Blüte kommen, die bei häufiger Mahd keine Chance hätten. Es entstehen wertvolle Rückzugsräume und Nahrungsquellen für Insekten, Feldvögel, Amphibien und Kleinsäuger. Diese Flächen leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt im Grünland.
Fredo Eilers setzt diese Maßnahmen bereits seit mehreren Jahren erfolgreich um. Sie gehören zu den einfachsten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, die biologische Vielfalt auf Grünland nachhaltig zu fördern.
Unterstützt wird diese Maßnahme durch die "Ökoregelung 1d - Altgrasstreifen in Dauergrünland".
Was hat die Pflanzen- und Tierwelt davon?
Altgrasstreifen - Rückzugsorte mit großer Bedeutung
Altgrasstreifen sind wertvolle Rückzugsgebiete und Lebensräume in der Agrarlandschaft. Sie bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten, darunter Insekten, Vögel und Kleinsäuger, Schutz und Nahrung, insbesondere dann, wenn große Flächen zeitgleich gemäht werden.
Die positiven Effekte zeitweise ungemähter Altgrasstreifen sind wissenschaftlich für zahlreiche Insektengruppen belegt, unter anderem für Heuschrecken, Laufkäfer, Tagfalter, Spinnen, Wildbienen, Rüsselkäfer, Wanzen, Zikaden, Hummeln und Fliegen. Aber auch Vögel und Kleinsäuger profitieren von diesen natürlichen Flächen.
Auch wenn Altgrasstreifen eine große Artenvielfalt beherbergen, ist eine regelmäßige Mahd dennoch unverzichtbar. Bleibt diese über eine längere Zeit aus, verbuschen die Flächen und der charakteristische Wiesenlebensraum geht verloren. Eine regelmäßige Mahd ist also essenziell, um artenreiche Wiesen dauerhaft zu erhalten.
Altgras- beziehungsweise Insektenschutzstreifen bereichern die Agrarlandschaft erheblich. Empfehlenswert ist es, die Streifen jährlich an wechselnden Standorten stehen zu lassen. Die Mahd sollte erst im darauffolgenden April erfolgen, wenn die in den Altgrasstreifen überwinternden Insekten mit zunehmenden Temperaturen wieder mobil werden und die Flächen verlassen können.
Warum sind Altgrasstreifen sinnvoll? - Altgrasstreifen erfüllen in der Agrarlandschaft zahlreiche wichtige ökologische Funktionen.
In den Sommermonaten können Pflanzen dort ungestört blühen, aussamen und sich fortpflanzen, so dass ihre Arten langfristig bestehen bleiben. Ihre Blüten sind im Sommer, ihre Samen in den Herbst- und Wintermonaten eine wichtige Futterquelle für zahlreiche Tierarten.
Zugleich sind Altgrasstreifen bedeutende Insektenschutzstreifen. Heuschrecken, Laufkäfer, Tagfalter, Wildbienen und viele weitere Arten finden hier Rückzugs-, Entwicklungs- und Fortpflanzungslebensräume. Die ungestörten Bereiche ermöglichen es ihnen, ihre Entwicklungszyklen vollständig zu durchlaufen und stabile Populationen aufzubauen.
Auch Säugetiere wie der Feldhase profitieren von den Altgrasstreifen. Sie finden dort Nahrung, Deckung und geschützte Rückzugsräume.
Amphibien wie Erdkröte und Grasfrosch nutzen die Streifen während ihrer Wanderungen als Rast- und Deckungsbereiche.
Für Wiesenvögel wie den Wiesenpieper oder den Wachtelkönig stellen Altgrasstreifen wertvolle Nahrungs- und Bruthabitate dar. Bodenbrütende Arten wie das Braunkehlchen finden hier geeignete Nistplätze sowie erhöhte Sitzwarten zur Nahrungssuche und Revierbeobachtung.
Bleiben Altgrasstreifen auch über die Wintermonate hinweg erhalten, gewinnen sie zusätzlich an Bedeutung. Sie dienen zahlreichen Insekten – darunter Tagfalter, Wildbienen, Spinnen und Heuschrecken – als Überwinterungslebensraum. Viele Arten überwintern als Ei, Larve oder Puppe in den Stängeln oder an den Pflanzen. Gleichzeitig bilden sowohl die überwinternden Insekten als auch die Samenstände der Pflanzen ein überlebenswichtiges Nahrungsangebot für Vögel und Säugetiere während der nahrungsarmen Wintermonate.
Infobox einfügen: Küstenschmiede:
Nutzen von Altgrasstreifen für die Pflanzen- und Tierwelt:
- Schutz vor der Mahd: Insektenschutzstreifen bewahren Insekten vor den direkten Auswirkungen der Mahd sowie der Aufbereitung und dem Abtransport des Mähguts.
- Entwicklungs- und Fortpflanzungsräume: Sie ermöglichen insbesondere wirbellosen Tieren eine ungestörte Entwicklung und Fortpflanzung. Dadurch können sie ihre Lebenszyklen erfolgreich abschließen.
- Kontinuierliches Blütenangebot: Durch eine zeitlich versetzte Mahd bleiben Blüten über einen längeren Zeitraum erhalten. So stehen Pollen und Nektar Bestäubern und anderen blütenbesuchenden Insekten kontinuierlich zur Verfügung.
- Winterquartiere: Bleiben die Streifen über den Winter bestehen, bieten sie zahlreichen wirbellosen Tieren geschützte Überwinterungsplätze. Viele Arten überwintern dort als Ei, Larve, Puppe oder ausgewachsenes Tier und finden zugleich Schutz vor Witterung und Fressfeinden.
- Förderung der Biodiversität: Die zusätzliche Strukturvielfalt schafft unterschiedliche Lebensräume und erhöht dadurch die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.
- Lebensraum für weitere Tierarten: Nicht nur Insekten profitieren von den Streifen. Auch Amphibien, Reptilien, Kleinsäuger und zahlreiche Vogelarten finden dort Nahrung, Deckung, Rückzugsräume und teilweise geeignete Brutplätze.
- Förderung der Pflanzenvielfalt: Die verlängerte Vegetationszeit ermöglicht vielen Pflanzen, zu blühen und Samen auszubilden. Um die Artenvielfalt dauerhaft zu erhalten, sollten Insektenschutzstreifen jährlich an wechselnden Standorten angelegt werden. Dauerhaft ungenutzte Brachen führen langfristig häufig zu einer Abnahme der für artenreiche Wiesen und Weiden typischen Pflanzenarten.
- Schutz von Boden und Gewässern: Insektenschutzstreifen tragen dazu bei, Bodenerosion zu verringern. Zudem können sie Sedimente sowie Nähr- und Schadstoffeinträge aus angrenzenden Flächen zurückhalten.
Jeder m² zählt:
Hervorragend können Altgrasstreifen können übrigens auch an Straßenrändern, im Park, auf Gewerbeflächen oder im Garten angelegt werden -jeder m² zählt: Pro Quadratmeter natürlicher Wiesenfläche leben 100 bis 500 Insekten (siehe Insektentaschenrechner der TU Darmstadt). Der Aktionsradius vieler Insekten beträgt 5 bis 200 m. Ihnen können auch kleine Flächen als Trittsteinbiotope dienen.
Weitere Informationen:
- Insektenschutzstreifen – Wertvolle Rückzugshabitate, Forschung für die Praxis, Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Laufen
- Altgrasstreifen? - Insektenschutzstreifen, Naherholungsgebiete für unsere Insekten schaffen, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), Laufen
- Ungenutzte Bereiche und Altgrasflächen im Grünland, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Freistaat Sachsen, Dresden
- Altgrasstreifen/überjährige Streifen, Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Bonn
- Verborgene Insektenvielfalt in Grashalmen durch Mähen bedroht, Georg-August-Universität Göttingen, Fakultät für Agrarwissenschaften, Göttingen
- Insektentaschenrechner, BioDivKultur/Technische Universität Darmstadt, Darmstadt
Informationen zur Umsetzung / Fördermaßnahmen / Was muss beachtet werden?
Altgrasstreifen sind Teilbereiche einer Grünlandfläche, die für die Dauer eines Jahres nicht gemäht werden und auch den Winter über stehen blieben.
Im darauffolgenden Jahr sollten die Streifen an eine andere Stelle der Fläche verlagert werden, um langfristig eine Verbuschung zu verhindern. Idealerweise wird ein neuer Altgrasstreifen angelegt, bevor der bestehende entfernt wird. So bleiben durchgehend wertvolle Rückzugsräume erhalten.
Ziel der Maßnahme ist es, die Biodiversität im Grünland zu fördern. In den ungemähten Bereichen können sich heimische Pflanzenarten entwickeln und zur Blüte kommen. Sie bieten wichtige Nahrungsquellen für Insekten und schaffen wertvolle Lebens-, Schutz- und Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten – insbesondere auch während der winterlichen Jahreszeit.
Umsetzung:
- Ein oder mehrere Streifen innerhalb der Grünlandfläche oder entlang von Randstrukturen wie Gräben, Zäunen oder Böschungen werden bei der Mahd ausgespart, so dass sich dort die Pflanzen und damit einhergehend die Tierwelt entwickeln können.
- Ein Vorteil besteht für die Bewirtschaftung darin, sie an Stellen anzulegen, die ohnehin schwierig zu mähen sind, beispielsweise unter Bäumen, an Böschungen, auf spitz zulaufenden oder kleinräumigen Flächen oder entlang von Zäunen oder Gräben.
- Werden mehrere Streifen angelegt, erhöht dieses die ökologische Wirkung und erleichtert Tierwanderungen zwischen den natürlichen Flächen.
Pflege / Dauer:
- Die Standdauer eines Altgrasstreifens beträgt in der Regel ein, gelegentlich zwei Jahre. Anschließend sollte der Streifen gemäht werden, um eine Verbuschung zu verhindern. Vor der Entfernung des bestehenden Streifens sollte jedoch bereits ein neuer Ersatzstreifen angelegt worden sein. Als Mahdzeitpunkt für einen den Winter überdauernden Streifen empfiehlt sich der Zeitraum April mit dem Einsetzen der Mobilität der Insekten.
- Generell gilt: Je länger der Zeitraum zwischen den Mähterminen, desto mehr Pflanzen- und Tierarten können sich entwickeln, die Artenvielfalt nimmt zu.
- Um die typische Grünlandvegetation zu erhalten und eine Verbuschung zu vermeiden, ist jedoch eine regelmäßige, möglichst abschnittsweise Mahd erforderlich.
Auf windigen oder trockenen Standorten tragen Altgrasstreifen dazu bei, Feuchtigkeit im Boden zu halten und beeinflussen das Mikroklima positiv.
Kontakt für Fragen zu Agrarfördermaßnahmen:
Die Ökoregelung 1d bezieht sich auf Altgrasstreifen und -flächen. Ökoregelungen sind freiwillige einjährige Maßnahmen, die im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) gefördert werden und mit denen Landwirte zusätzliche Leistungen für den Natur- und Biodiversitätsschutz vergütet bekommen.
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich Klima, Natur- und Ressourcenschutz, Biodiversität: Nora Kretzschmar, E-Mail: nora.kretzschmar@lwk-niedersachsen.de, Tel.: 0441 801-408
Lust mitzumachen?
Landwirtschaft prägt über die Erzeugung von Lebensmitteln und Energie hinaus unsere Kulturlandschaft und trägt eine besondere Verantwortung für den Erhalt unserer biologischen Vielfalt: Naturnah belassenen und angesäte Ackerrandstreifen, extensiv genutzte Wiesenbereiche, Wallhecken etc. schaffen wertvolle Lebensräume für unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten.
Die hier vorgestellten Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt zeigen, wie Landwirte im Landkreis Friesland Verantwortung für Natur und Umwelt übernehmen und damit wichtige Beiträge für stabile Ökosysteme leisten – als Grundlage für die Lebensqualität unserer heutigen und zukünftiger Generationen.
Dabei addieren sich viele auch scheinbar kleine Maßnahmen und sind von Bedeutung: Jede Maßnahme macht einen Unterschied.
Das hier gezeigte Engagement ist ein bedeutender Schlüssel für den Natur- und Artenschutz vor Ort. - Angesichts des fortschreitenden Artenrückgangs zählt jeder Quadratmeter.
Lust mitzumachen? - Wir sind Ansprechpartner für Fragen und Anregungen:
- Landwirt Fredo Eilers: E-Mail: fredo.eilers@outlook.com, Tel.: 01578 4054422
- Ammerländer Landvolkverband e.V.: Dipl. Ing. agr. Dr. Tatjana Hoppe, E-Mail: Tatjana.Hoppe@landvolk-ammerland,de, Tel.: 04488-837-44
- Kreislandvolkverband Friesland e.V.: Manfred Säfken, E-Mail: manfred.saefken@ewetel.net, Tel.: 04452 364
- Landkreis Friesland, Fachbereich Umwelt / Niedersächsischer Weg: Verena Radek, E-Mail: v.radek@friesland.de, Tel.: 04461 9195090
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich Klima, Natur- und Ressourcenschutz, Biodiversität: Nora Kretzschmar, E-Mail: nora.kretzschmar@lwk-niedersachsen.de, Tel.: 0441 801-408
- Projekt Naturkieker der Oldenburgischen Landschaft: Petra Walentowitz, E-Mail: p.walentowitz@naturkieker.de, Tel.: 0162 4362983
Weitere Informationen:
- Landwirtschaft: Natur und Vielfalt erhalten, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Bonn
- Biodiversität in der Landwirtschaft: Bedeutung und Schutz, Umweltinformationssystem, Langenzenn
- Wie beeinflusst Landwirtschaft die Artenvielfalt?, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Bonn