Beispiel angesäter Ackerrandstreifen in Bockhorn

"Wenn ich eine Blühfläche anlege, möchte ich, dass viele unterschiedliche Arten blühen, auch noch im September und Oktober. Das finden auch die Menschen gut, die hier vorbei fahren oder laufen. Und das Image der Landwirtschaft profitiert."

Wilke Luers
Bockhorn

Blütenbesuchende Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen gehen seit Jahren drastisch zurück – vor allem, weil es ihnen zunehmend an Nahrung und geeigneten Lebensräumen fehlt. Blühflächen schaffen hier einen wertvollen Ausgleich: Sie liefern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg kontinuierlich Pollen und Nektar. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Insektenpopulationen. Doch nicht nur diese profitieren – auch zahlreiche andere Insektenarten, Feldvögel und Wildtiere finden in diesen Flächen Nahrung, Schutz und Lebensraum.

Wie geht das?

So entsteht ein artenreicher Ackerrandstreifen

Wilke Luers bewirtschaftet in Bockhorn gemeinsam mit seiner Familie einen Milchkuhbetrieb mit rund 150 Kühen und baut Mais zur Silagegewinnung an. Als aktiver Jäger ist ihm der Artenschutz ein besonderes Anliegen. Fester Bestandteil seiner Bewirtschaftung ist daher das regelmäßige Anlegen von artenreichen Blühstreifen entlang seiner Maisflächen.

Für die Einsaat der ein- oder mehrjährigen Blühflächen eignen sich insbesondere ertragsschwächere Rand-, Teil- oder Keilstücke. Als Saatgut nimmt er die Ammerländer Landvolkmischung, die sich aus 23 Pflanzenarten zusammensetzt, darunter 40 % heimische Arten wie Kornblume, Klatschmohn, Kornrade, Kamille und Wilde Malve.

Ein Lohnunternehmer sät die Blühmischung bei ihm ein, wenn die Fläche im April/Mai ohnehin für die Maisaussaat vorbereitet wird, so dass ein maschineller und finanzieller Extraaufwand wegfällt und somit lediglich ein Ertragsverlust auf diesen Flächen kompensiert werden muss.

Der Ammerländer Landvolkverband stellt das Saatgut kostenfrei zur Verfügung und trägt auch die Kosten für die Einsaat.

Besonders hoch ist der ökologische Nutzen, wenn die Blühflächen eine Breite von mindestens sechs, besser noch 15 Metern erreichen und den Winter über stehen bleiben. Auf diese Weise dienen sie vielen Tierarten als wichtige Rückzugs- und Überwinterungsräume.

Was hat die Pflanzen- und Tierwelt davon?

  • Auf Flächen, die mit heimischen Pflanzenarten angesät werden, können Pflanzen blühen und sich fortpflanzen, so dass ihre Arten langfristig bestehen bleiben. Die Samen dienen der Tierwelt in den Herbst und Wintermonaten als Futter.
  • In den Blüten finden Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten ein vielfältiges Nahrungsangebot aus Pollen und Nektar. Einige Insektenarten sind sogar auf ganz bestimmte heimische Pflanzen spezialisiert und können ohne diese nicht überleben.
  • Die Blätter der Blütenpflanzen (auch der Gräser) bieten Nahrung für Käfer, Schmetterlingsraupen und Heuschrecken. Viele Insekten sind auf die Blätter ganz bestimmter Pflanzen spezialisiert und somit darauf angewiesen. Man geht davon aus, dass an jeder heimischen Pflanzenart etwa 15 - 50 Insektenarten leben.
  • Neben Nahrung bieten naturnahe Flächen Unterschlupf für Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und kleine Säugetiere. Dieser Schutz ist überlebenswichtig, insbesondere für das Überwintern.
  • Bei vielen Insekten beginnt das Leben im Frühjahr mit dem Schlüpfen aus dem Ei als Raupe oder Larve. In diesen Stadien sind sie nicht flugfähig. Erst als ausgewachsene Tiere können sie fliegen.
  • Bei einer frühen flächendeckenden Mahd der naturnahen Streifen überlebt nur ein kleiner Teil des Insektennachwuchses. Ihnen fehlt nach der Mahd zudem die notwendige Lebensgrundlage und Deckung. Deshalb sollte zu einem möglichst späten Zeitpunkt und immer abschnittsweise gemäht werden.
  • Ein großer Teil des Lebens vieler Insekten, Amphibien, Reptilien, Vogelküken und Kleinsäuger wie den Igel spielt sich in Bodennähe ab. Daher sollte die Mahdhöhe mindestens 10-15 cm – also ein Handbreit oder höher – betragen.
  • Wichtig ist außerdem, dass naturnahe Flächen miteinander vernetzt und räumlich nah beieinander liegen werden, da der Lebensradius vieler Insekten nur 5 - 150 Meter beträgt.
  • Auf einem Quadratmeter Naturfläche leben 100 bis über 500 Insekten.

 

Links:

Blühstreifen für mehr Biodiversität, Landvolk Niedersachsen, Hannover

Blühflächen, Blühstreifen, Blühpatenschaften im Ackerland, LBV Bayern, Hilpoltstein

Mit Blühstreifen die Artenvielfalt retten?, MDR, Leipzig

Blüh- und Randstreifen in der Agrarlandschaft, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Bonn

Insektentaschenrechner?

 

Fragen und Infos zur Umsetzung / Fördermaßnahmen, was muss beachtet werden?

Information zur Ammerländer Landvolkmischung:

Link zur Ammerländer Landvolkmischung:

Zusammensetzung des Saatgutes:

Werden Kosten für Saatgut und Einsaat werden übernommen?

Standdauer / Pflege der Streifen?

Wie wird der Ertragsverlust auf den Ackerflächen kompensiert?

 

Angesäte Ackerrandstreifen/Blühstreifen

Blühstreifen bieten Insekten, Vögeln, Amphibien sowie Kleintieren und Kleinsäugern ganzjährig Nahrung, Schutz und Lebensraum. Gleichzeitig vernetzen sie unterschiedliche Lebensräume miteinander und leisten so einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Artenvielfalt. Darüber hinaus bereichern sie das Landschaftsbild und machen den Beitrag der Landwirtschaft zum Natur- und Landschaftsschutz sichtbar.

Positive Wirkung von Blühstreifen:

  • Schaffung wertvoller Lebensräume (Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Überwinterungsorte) für Insekten und Vögel, Amphibien, Kleintiere und Kleinsäuger
  • Förderung von Nützlingen und Bestäubern
  • Bereicherung der Strukturvielfalt der Landschaft
  • Vernetzung verschiedener Lebensräume und Strukturen
  • Erhöhung der biologischen Vielfalt der Kulturlandschaft
  • Positive Einflüsse auf den Boden: Verbesserung der Durchwurzelung, Erhöhung des Humusgehaltes, Steigerung der Wasserspeicherfähigkeit , Steigerung der Wasserspeicherfähigkeit, Reduzuierung der Verdunstung und Verhinderung von  Bodenerosion.
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Bereicherung des Landschaftsbildes

Geeignete Standorte:

  • Angesäte Randstreifen lassen sich besonders gut im Ackerland anlegen. Gerade in intensiv genutzten Agrarlandschaften tragen sie nachweislich zur Förderung und zum Erhalt der Artenvielfalt bei.
  • Bereits bestehende Flächen wie Brennnessel- und Hochstaudenfluren, Magerrasen oder Seggenbestände sollten hingegen nicht umgebrochen werden. Diese Lebensräume sind häufig ökologisch sehr wertvoll und sollten durch eine angepasste Pflege erhalten bleiben. Dazu zählen beispielsweise eine späte Mahd, damit Pflanzen aussamen können, sowie das Abräumen des Mähguts zur gezielten Ausmagerung der Fläche.

Anlage der Streifen:

  • Breite: Je breiter, desto besser; mindestens jedoch zwei Arbeitsbreiten (6 m).
  • Gründliche Bodenbearbeitung wie zur Getreideeinsaat (Aussaat im feinkrümeligen, rückverfestigtem Saatbett, nach dem Säen anwalzen).
  • Beim starkem Auftreten von Problemunkräutern empfiehlt sich vor der Einsaat eine sorgfältige, mechanische Beikrautbekämpfung und erhöhte Saatdichte.

Pflege:

  • Kein Einsatz von Dünge oder Pflanzenschutzmitteln
  • Bei Bedarf ein Schröpfschnitt (ca. 20 cm Höhe) ab Mal/Juni, sollten dominante, schnellwüchsige Beikräuter z.B. Acker-Kratzdistel oder Weißer Gänsefuß aufkeimen
  • Bei mehrjährigen Blühbrachen sollte zwischen April und Ende Juni auf Bearbeitung verzichtet werden zum Schutz vieler Tierarten.

Standzeit:

  • Ihren vollen Wert für den Schutz der Artenvielfalt erreichen Blühflächen erst ab dem dritten Jahr, da sie dann viele Überwinterer und Larvenstadien von Insekten beherbergen.
  • Nach fünf Jahren ist auf manchen Flächen eine Pflege oder eine teilweise Neuansaat nötig, da sich Büsche und Feldgehölze entwickeln. Zudem nimmt der Blütenreichtum und die Artenzahl der Pflanzen ab, je länger eine Fläche bestehen bleibt.

Wahl des Saatgutes:

  • Generell sollte gebietseigenes, regionaltypisches Regio-Saatgut (Landkreis Friesland: Region 1 – Norddeutsches Tiefland) verwendet werden, d.h. es sollten Arten ausgesät werden, die in der Region des Norddeutschen Tieflandes heimisch sind. Bei diesem Saatgut ist davon auszugehen ist, dass die Pflanzen spezielle regionaltypische Anpassungen an die vorherrschenden Standortbedingungen (z. B. an die Bodeneigenschaften, Witterung, bestimmte Bestäuber etc.) besitzen und die genetische Vielfalt langfristig sichern.

Agrarfördermaßnahmen:?

 

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Kontakt für Rückfragen:

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