Lebensräume Rasen- und Wiesenflächen
Weitläufige, intensiv gepflegte Rasenflächen bestimmen den Charakter des Schlossparks und prägen große Teile seiner offenen Räume.
Mit dem Einsetzen des Frühjahrs erfahren diese Flächen eine besondere Aufwertung: Zahlreiche Winterlinge, Krokusse und Narzissen durchziehen den Rasen und verwandeln ihn in ein farbenfrohes Blütenmeer.
Im Umfeld einzelnstehender Bäume wurden kleinflächige Wildblumen- bzw. Naturwiesen angelegt. Sie verbessern durch ihr tiefreichendes Wurzelwerk die Bodenstruktur, lockern den Wurzelraum und fördern bei Niederschlägen die Versickerung des Wassers. Die höher wachsenden Pflanzen beschatten den Boden, schützen ihn so vor Austrocknung und verhindern eine übermäßige Erwärmung des Wurzelbereichs. Als weiterer positiver Effekt tragen sie zum Schutz der Bäume bei, indem sie mechanische Belastungen durch Pflegearbeiten verringern.
Für die Biodiversität sind diese Flächen von herausragender Bedeutung, indem sie als „Inseln der Artenvielfalt“ die vergleichsweise artenarmen Rasenbereiche ergänzen: Während auf Rasenflächen lediglich 70 Insektenindividuen pro Quadratmeter vorkommen, sind auf Wiesenflächen über 300 Insektenindividuen pro Quadratmeter zu finden. Sie bieten Insekten und anderen Kleintieren somit wertvolle Lebens- und Nahrungsräume und werten die ökologischen Funktionen des Parks deutlich auf.

Rasenflächen
Die weitläufigen Rasenflächen des Schlossparks setzen sich aus nur wenigen Grasarten zusammen. Durch eine intensive Mahd mit einer Schnitthöhe von etwa 8 cm haben nur wenige Blütenpflanzen wie Gänseblümchen oder Löwenzahn die Möglichkeit, zur Blüte zu gelangen. Für blütenbesuchende Insekten bieten diese Flächen daher kaum Lebensraum. Pro Quadratmeter Rasenfläche finden sich laut Insektentaschenrechner der Technischen Universität Darmstadt lediglich rund 70 Insektenindividuen.
Dennoch werden die Rasenflächen von einigen Tierarten gern genutzt: Amseln suchen hier nach Regenwürmern und Bachstelzen erbeuten mit schnellen, trippelnden Bewegungen Insekten. Besonders auffällig sind auch die Pfauen, die die offenen Flächen für ihre Spaziergänge schätzen – ihre ursprüngliche Heimat liegt in Indien.
Im Frühjahr verwandeln Frühblüher wie Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen die Rasenflächen in ein reiches Blütenmeer. Sie stellen für Bienen und andere Insekten eine wichtige erste Nektar- und Pollenquelle dar und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau stabiler Populationen.
Einige Rasenbereiche des Parks werden von Jahresbeginn bis Ende Mai bewusst nicht gemäht, damit sich vorhandene Blühpflanzen im Rasen entwickeln und zur Blüte gelangen können. Diese Maßnahme steht im Einklang mit der Aktion „Mähfreier Mai“ , zu der die Gartenakademie Rheinland-Pfalz und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. jährlich aufrufen. Nach britischem Vorbild verfolgt die Initiative das Ziel, unter dem Motto „Jeder Quadratmeter zählt“ einen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität zu leisten.
Wiesenflächen - "Inseln der Artenvielfalt"
Die Rasenflächen werden durch kleinräumige Wiesenbereiche ergänzt. Nur wenige davon wurden gezielt als Blühwiesen angesät. Der Großteil sind sogenannte Naturwiesen, die sich aus ehemaligen Rasenflächen entwickelt haben, nachdem diese ihrer natürlichen Entwicklung überlassen wurden.
Diese Wiesen erweisen sich als wahre „Inseln der Artenvielfalt“: Bei genauerem Hinsehen entfaltet sich eine eigene kleine Lebenswelt, in der es stets Neues und Spannendes zu entdecken gibt: Distelfinken, Grünfinken und Spatzen naschen an den Samenständen des Löwenzahns. Grashüpfer hüpfen in großen Sprüngen durch das Gewirr der Gräser, kleine grüne Zikaden versuchen, es ihnen gleichzutun. Hummeln brummen von einer Blüte zur nächsten, Honig- und Wildbienen sammeln Nektar und Pollen. Raupen verschiedener Schmetterlingsarten ernähren sich von den Pflanzen, Ameisen durchstreifen geschäftig den „Gräserwald“ – eine Freude wiederum für den Grünspecht, der sie gerne als "Snack" verspeist. Später im Jahr glitzern Spinnennetze im Morgentau.
Mit 100 bis über 500 Insektenindividuen pro Quadratmeter übertreffen Wildblumen- und Naturwiesen die artenarmen Rasenflächen deutlich. Dazu zählen unter anderem Zikaden, Käfer, Spinnen, Ameisen, Wanzen, Wespen, Bienen und Heuschrecken. Genauere Einblicke in diese Vielfalt bietet der „Insektentaschenrechner“ der Technischen Universität Darmstadt.
Eine aktuelle Studie der Universität Göttingen zeigt die verborgene Vielfalt von Wiesen: In mehrjährigen Gräsern leben zahlreiche, meist unauffällige Insektenarten wie kleine Wespen, Gallmücken, Fliegen und Käfer. Für die Studie wurden über 23.000 Grashalme analysiert und nach Insekten abgesucht. In zehn mehrjährigen Grasarten fanden sich 255 Insektenarten, während in einjährigen Gräsern keine nachgewiesen wurden. Dabei wurde festgestellt: Je länger die Halme mehrjähriger Gräser sind, desto größer ist die darin lebende Artenvielfalt. Insgesamt sind etwa zwei Drittel der Insekten auf Gräser spezialisiert, viele davon sogar auf einzelne Arten. Das Fazit der Forschenden: Bereiche der Wiesen sollten über mehrere Jahre hinweg ungemäht bleiben, um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten.
● Angesäte Blühwiesen
Die Blühwiesen im Schlosspark wurden mit zertifiziertem Regio-Saatgut der „Region 1 – Nordwestdeutsches Tiefland“ angelegt. Dieses Saatgut stammt von Wildpflanzen aus der Region und ist optimal an die örtlichen Bedingungen wie Boden und Klima angepasst. Gleichzeitig trägt es zum Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Pflanzenbestände bei.
Davon profitiert insbesondere die einheimische Insektenwelt: Viele Arten sind auf genau diese regionaltypischen Pflanzen als Nahrungsquelle angewiesen, einige sogar hoch spezialisiert. Blühwiesen leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Sicherung der Biodiversität.
● Naturwiesen
Die artenreichen Naturwiesen entstanden aus ehemaligen Rasen- oder Offenbodenflächen, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen wurden, so dass sich die im Boden vorhandenen heimischen Wildpflanzen ungestört entfalten konnten.
Auf den ersten Blick erscheinen diese Flächen oft unscheinbarer als gezielt eingesäte, meistens sehr blütenreiche Blühwiesen. Jedoch sind gerade die dort wachsenden Pflanzen der sogenannten „Allerweltsarten“ von großer Bedeutung: Zahlreiche Insektenarten – darunter Wildbienen, Schmetterlinge und ihre Raupen – sind auf Pollen oder Blätter einiger weniger oder sogar nur einer dieser Pflanzenarten spezialisiert. Verschwindet diese, fehlt den darauf angewiesenen Arten die Lebensgrundlage und ihr Fortbestand ist gefährdet.
So nutzt etwa die Hahnenfuß-Scherenbiene ausschließlich den Pollen des Hahnenfußes (Butterblume) zur Versorgung ihres Nachwuchses. Löcherbienen sind auf Korbblütler spezialisiert, deren flachen Blütenkörbe sie mithilfe ihrer feinen Bauchbürsten gezielt abernten. Die Raupen von Kleinem Fuchs, Admiral und Tagpfauenauge entwickeln sich ausschließlich auf Brennnesseln. Andere Arten sind auf Pflanzen wie Wiesenschaumkraut, Knoblauchrauke oder Wegerich angewiesen. Nur wenn diese Pflanzen im Park und in der Umgebung vorkommen, können die entsprechenden Tierarten langfristig überleben.
Pflanzen der Wiesenflächen zum Entdecken:
- Löwenzahn, Taraxacum officinale
- Gundermann, Glechoma hederacea
- Kriechender Hahnenfuß, Ranunculus repens
- Brennnessel, Urtica dioica
- Gänseblümchen, Bellis perennis
- Vogelmiere, Stellaria media
- Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis
- Spitzwegerich, Plantago lanceolata
- Schafgarbe, Achillea millefolium
- Wiesen-Labkraut, Galium mollugo
- Feld-Ehrenpreis, Veronica arvensis
- Wegwarte, Cichorium intybus
- Wilder Majoran/Oregano, Origanum vulgare
- Ackerkratzdistel, Cirsium arvense
- Sauerampfer, Rumex acetosa
- Stumpfblättriger Ampfer, Rumex obtusifolius
- Flockenblume, Centaurea spec.
- Akelei, Aquilegia vulgaris
- Nelkenwurz, Geum spec.
- Jakobs-Kreuzkraut, Senecia vulgaris
- Wilde Karde, Dipsacus fullonum
- Flockenblume, Centaurea jacea
- Wiesen-Labkraut, Gallium mollugo
- Minze, Mentha arvensis
- Hornkraut, Cerastium spec.
- Hornklee, Lotus corniculatus
- Rainfarn, Tanacetum vulgare
Naturkieker-Tipps:
- Um die Pflanzen und Tiere der Wiese unkompliziert per Foto zu bestimmen, gibt es zahlreiche Apps. Tipps und Apps zum Kennenlernen von Pflanzen und Tieren finden Sie in der Checkliste "Wie lerne ich Pflanzen und Tiere kennen"?
- Wenn Sie wissen möchten, wie viele und welche Insekten an den einzelnen Pflanzen einer Wiese leben, finden Sie entsprechende Informationen bei NaturaDB: Einfach den Namen der Pflanze eingeben und unter dem Stichwort „Ökologie“ nachlesen.
Wiesen beherbergen eine enorme Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren: Über ein Drittel aller heimischen Pflanzenarten hat dort sein Hauptvorkommen und bietet zahlreichen Insekten sowie anderen Tieren Lebensraum.
Sie laden das ganze Jahr über dazu ein, genau hinzuschauen, stets gibt es etwas zu entdecken im grünen Gewirr aus Blättern, Halmen und Blüten: Bienen und Wildbienen suche in Löwenzahnblüten nach Pollen und Nektar; Grünfinken, Spatzen und Stieglitze naschen reife Samen von Blütenständen; Grashüpfer verraten sich durch ihr Zirpen und machen sich bei Annäherung mit einem geschickten Sprung ins tiefe Gras unsichtbar.
Dank ihres tiefreichenden Wurzelwerks können Wiesenflächen große Mengen an Regenwasser aufnehmen und so die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessern. Bei hohen Temperaturen wirken sie kühlend auf ihr unmittelbares Umfeld, erwärmen die Luft weniger stark als kurz gemähte Rasenflächen und leisten damit auch einen Beitrag zur Klimaresilienz bei Wetterextremen.
Für einen optisch gepflegten Eindruck können diese „Inseln der Artenvielfalt“ von einem Weg oder einem Rasenstreifen umgrenzt werden.
● Sehr unkompliziert lässt sich eine Rasenfläche in eine artenreiche Wiese verwandeln
Völlig unkompliziert ist es, einfach einen Bereich des Rasens im Garten ungestört wachsen lassen und zu beobachten, welche Pflanzen sich dort ganz von allein, ohne unser Zutun, entwickeln. Im Boden befinden sich bereits zahlreiche Wildpflanzen, die nur darauf warten, sich entfalten zu können. Die von ihnen abhängige Tierwelt stellt sich bald ein, und es entsteht eine natürliche Lebensgemeinschaft.
● Ansaat einer Blühwiese
Um eine Blühwiese anzulegen, sollte zunächst der Boden sorgfältig vorbereitet werden. Ab März/April kann das Saatgut ausgebracht werden. Alternativ ist eine Herbstansaat von Mitte August bis Ende September möglich.
Zu beachten ist die richtige Wahl des Saatgutes: Viele Saatgutmischungen mit häufig vielversprechenden Namen wie "Bienenfutter" oder "Schmetterlingsfreude" enthalten keine oder nur wenige heimische Pflanzenarten. Sie bescheren zwar eine farbenfrohe, jedoch meist kurzlebige Blütenpracht.
Stattdessen sollte zertifiziertes Regio-Saatgut der "Region 1, Nordwestdeutsches Tiefland" ausgesät werden. Dieses Saatgut stammt von Wildpflanzen aus der Region des Norddeutschen Tieflandes. Es handelt sich also um gebietseigenes Saatgut, das an die regionalen Bedingungen wie Boden und Klima angepasst ist und dazu beiträgt, die natürliche und genetische Vielfalt zu erhalten.
Unsere heimische Insektenwelt ist auf genau diese Pflanzen als Nektar-, Pollen- und Nahrungsquelle angewiesen und vielfach auf sie spezialisiert. Blühwiesen mit regionalem Saatgut leisten daher einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität.
Nach der Aussaat sollte die Fläche für mindestens drei Wochen gleichmäßig feucht gehalten werden.
Hinweis: Die Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven vergibt kostenlos Saatgut für Wiesenflächen von 50 m², 200 m² oder 1000 m² Größe an Privatpersonen. Anträge können bis zum Ende der ersten Aprilwoche eines Jahres gestellt werden unter https://naturschutzstiftung-fww.de/eigene-projekte/weitere-projekte/wildblumenwiesenfoerderung.
● Biodiversitätsfördernde Pflege einer artenreichen Wiese oder Blühwiese:
- Die Mahd sollte möglichst spät im Jahr erfolgen, damit die Samen der Blühpflanzen ausreifen können und sich der Insektennachwuchs vollständig entwickelt hat.
- Zudem sollte grundsätzlich abschnittsweise gemäht werden. So bleibt stets ausreichend Nahrung und Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere erhalten.
- Ein Teil der Vegetation sollte auch über den Winter stehen bleiben, da in Stängeln und ausgeblühten Blütenständen Insekten überwintern und Vögel sowie andere Tiere Nahrung und Unterschlupf finden.
- Grundsätzlich empfiehlt sich die Pflege nach der „10-10-Regel“: Mindestens 10 % des Bewuchses stehen lassen - auch den Winter über - mit einer Mahdhöhe von 10 cm und höher. Dadurch wird das Insektenleben geschont, das sich häufig in Bodennähe befindet (z.B. Grashüpfer-Eier, Insektenlarven, überwinternde Raupen oder Laufkäfer).
- Das Mahdgut sollte im Idealfall nicht auf der Fläche verbleiben, sondern abgetragen werden. Auf diese Weise werden dem Boden langfristig Nährstoffe entzogen – eine wichtige Voraussetzung, um Gräser zurückzudrängen und Blütenpflanzen zu fördern.
Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.