Wege, befestigte Plätze und Flächen

Der Schlossvorplatz des Jeverschen Schlosses wurde um 1830 aus großen Steinquadern und Findlingen angelegt und zeigt das Wappentier des Jeverlandes – den steigenden Löwen.

Auch die Wege im Schlosspark wurden zu dieser Zeit in ihrer heutigen Form angelegt. Die geschwungene Wegeführung soll dabei die Weite, Offenheit und Natürlichkeit des Landschaftsparks vermitteln. An die Wege des Parks angelehnt bieten Sitzecken Raum zum Erholen und die Möglichkeit, die Pflanzen- und Tierwelt des Parks zu beobachten.

Befestigte Wege, Plätze und Flächen verhindern die Versickerung von Regenwasser in den Unterboden und bewirken einen raschen Abfluss der Niederschläge, „versiegeln“ den Boden also. Zudem heizen sich diese Flächen bei hohen Temperaturen stark auf und wirken sich negativ auf das Kleinklima aus. Für die Pflanzen- und Tierwelt stellen sie weitgehend lebensfeindliche, verlorene Flächen dar. Der Anteil versiegelter Flächen sollte daher auf ein Mindestmaß beschränkt werden, nicht oder wenig genutzte Flächen nach Möglichkeit entsiegelt werden.

Ausnahme und Alternativen sind Pflasterflächen mit breiten Sandfugen oder offene Sandflächen. Diese werden von Wildbienen oder Sandwespen dazu genutzt, um ihre Nistgänge im Erdreich anzulegen. Die überwiegende Anzahl der Wildbienenarten nistet im Boden, somit können diese Flächen zur Förderung und zum Erhalt ihrer Populationen beitragen.

Wer lebt denn hier? - Pflanzen und Tiere der Wege und befestigten Flächen zum Entdecken

Man muss schon genau hinsehen, um die Fugenflora des Schlossvorplatzes mit ihren typischen Pionier- und Begleitpflanzen wie Gräsern, Wildkräutern und Flechten wahrzunehmen.

Diese „Überlebenskünstler“ leisten einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Aufwertung der Fläche: Sie speichern Feuchtigkeit, senken an heißen Tagen die Oberflächentemperatur und binden Staubpartikel. Zugleich entstehen in den Fugen kleinräumige Mikrohabitate, die zahlreichen Insekten und Kleintieren Lebensraum bieten. Dazu zählen unter anderem Ameisen, Asseln, Käfer, Regenwürmer, Spinnen und Schnecken, die dort Schutz und Nahrung finden.

Breite Pflasterfugen und offene Sandflächen sind insbesondere für Wildbienen und Wegwespen von großer Bedeutung: So nisten rund drei Viertel unserer heimischen Wildbienenarten im Erdboden und finden zwischen den Fugen und in den Sandflächen geeignete Nistmöglichkeiten für ihre Bodennester. Vor unseren Augen verborgen legen sie ein verzweigte Gangsysteme mit einzelnen Brutzellen an. Diese werden mit Pollen gefüllt und in jede ein Ei gelegt. Der Wildbienennachwuchs ernährt sich vom eingelagerten Pollenvorrat, verpuppt sich in der Brutzelle und überdauert den Winter geschützt in einem Kokon. Im darauffolgenden Jahr schlüpfen die jungen Wildbienen.

 

 

Lust mitzumachen, Flächenversiegelung zu reduzieren und ein Sandarium für Wildbienen anzulegen?

Es ist spannend, den Garten genau einmal genauer zu betrachten und zu reflektieren: Welche befestigten Flächen sind tatsächlich notwendig? An welchen Stellen könnten stattdessen wasserdurchlässige Beläge wie Sand, Mulch oder Rasengittersteine eingesetzt werden? Und wo bieten breite Fugen die Möglichkeit, dass Wildbienen und andere bodennistende Insekten einen Lebensraum finden?

Im Normalfall lassen sich Platten oder Steine einer versiegelten Pflasterflächen aufnehmen und die Bodenflächen auflockern, so dass Regenwasser wieder in den Boden einsickern kann. Für eine Neugestaltung von Wegen und Flächen eignen sich wasserdurchlässige Beläge wie Holzhäcksel, grober Sand, Rasen, Rasengittersteine, Schotter, Pflaster mit offenen Fugen.

Die Vorteile entsiegelter Flächen:

  • Sie ermöglichen es Regenwasser, in den Boden einzusickern. Dadurch wird die Grundwasserneubildung gefördert und die Überflutungswahrscheinlichkeit bei Starkregenereignissen reduziert,
  • sie heizen sich bei starker Sonneneinstrahlung weniger auf, gleichzeitig wird die Umgebung durch verdunstendes Wasser gekühlt, dadurch wird die Hitzebelastung verringert und das Kleinklima verbessert,
  • sie bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere, dadurch wird die Artenvielfalt gefördert,
  • sie wirken natürlich und ansprechend.

Informationen zu den Themen "Entsiegelung" und "Fugenvegetation":

 

Damit der Garten ein Zuhause für Wildbienen und andere im Boden nistende Insekten und Kleintiere wird, kann zusätzlich Sandarium angelegt werden.

Informationen zur Anlage eines Sandariums:

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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.