Lebensraum Schlossgraft / Stillgewässer

Die Schlossgraft umschließt den Park in charakteristischer Hufeisenform an seiner Süd-, West- und Nordseite und stellt das einzige Gewässer innerhalb der Anlage dar. In Teilbereichen ist sie an das städtische Wassersystem angebunden. Aufgrund der sehr geringen bis nahezu fehlenden Fließgeschwindigkeit ist sie als Stillgewässer einzuordnen.

Stillgewässer zählen zu besonders artenreichen und ökologisch bedeutenden Lebensräumen, die zahlreichen – teils spezialisierten – wassergebundenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bieten.

Neben ihrer gestalterischen und großen ökologischen Bedeutung übernimmt die Graft eine wichtige Funktion als Wasserspeicher, indem sie bei Starkregenereignissen zur Rückhaltung von Oberflächenwasser und so zur Entlastung des städtischen Entwässerungssystems beiträgt.

Die dem Park zugewandten Uferbereiche sind überwiegend flach ausgebildet. Im nördlichen Bereich finden sich sanfte Böschungen. Die außenliegenden Ufer hingegen sind durchgehend steil und hoch aufragend. Abschnittsweise sind die Ufer in einer Kombination aus Holz und Pflastersteinen befestigt.

 

Wer lebt denn hier? – Pflanzen und Tiere der Schlossgraft zum Entdecken

Die den Park umgebende Graft bietet einer Vielzahl wasserbewohnender Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und dient zugleich den Parkbewohnern als natürliche Trinkwasserquelle.

 

Tierwelt der Graft:

Vögel, die am Ufer und auf dem Wasser zu beobachten sind:

  • Stockenten in großer Anzahl, insbesondere im Winter. Mehrere Paare brüten im Schlosspark
  • Teichhuhn, Brutvogel, 3-7 Brutpaare pro Jahr
  • Blässhuhn, gelegentlicher Wintergast
  • Eisvogel, Brutvogel bis 2024. Außerhalb der Brutzeit gelegentlicher Gast
  • Nilgans, regelmäßiger Besucher. In einigen Jahren fanden Bruten statt
  • Gründelenten wie die Löffelente und die Schnatterente, gelegentliche Gäste
  • Tauchenten wie die Tafel- Reiher- Schellente, im Winter gelegentliche Gäste
  • Lachmöwe, im Sommer vereinzelter, im Winter regelmäßiger Gast
  • Silber-, Sturm- und Heringsmöwe, gelegentliche Gäste
  • Kormoran, gelegentlicher Gast
  • Graureiher, des Öfteren als Gast
  • Flussuferläufer, gelegentlicher Gast während der Zeit des Vogelzuges (April/Mai und Juli/August)
  • Mandarinente, sporadischer Gast
  • Gänsesäger, im Winter sehr gelegentlicher Gast

Fledermäuse:

  • Wasserfledermaus (Die Wasserfledermaus erreicht eine Körperlänge von 40 bis 55 mm, eine Flügelspannweite von 24 bis 27,5 cm und ein Gewicht von 7 bis 14 g – vergleichbar mit drei bis vier Zuckerwürfeln. Sie ist hervorragend an die nächtliche Jagd über ruhigen Gewässern angepasst und lässt sich dadurch von anderen Fledermausarten unterscheiden. Auf ihren nächtlichen Streifzügen erbeutet sie vor allem Zuckmücken, Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Libellen und Wasserkäfer. Zur Orientierung sendet sie 10 bis 20 Ultraschallrufe pro Sekunde aus. Hat sie Beute entdeckt, erhöht sie ihre Rufrate auf 160 bis 190 Rufe pro Sekunde. Mit dieser hochfrequenten Echo-Ortung kann sie ihre Beute präzise orten und in wendigen Flugmanövern fangen. Eine besondere Jagdtechnik der Wasserfledermaus besteht darin, Insekten mit ihren Füßen direkt von der Wasseroberfläche aufzunehmen).

Fische:

  • Dreistachliger Stichling
  • Neunstachliger Stichling
  • Rotfeder
  • Sonnenbarsch
  • Karpfen
  • Goldorfe
  • Goldfisch
  • Koi-Karpfen

Amphibien:

  • Grasfrösche sind z.B. in den Wildwiese um die Blutbuche im westlichen Bereich des Schlossparkes zu finden. Die quakenden Rufe balzender Frösche sind zwischen März und Mai zu hören.

Wasserbewohnende Insekten, Kleintiere und Muscheln:

  • Im Uferbereich: Libellen (u.a. Mosaikjungfer und Plattbauchlibelle)
  • Im Wasser: Libellenlarven, Wasserwanzen, Gelbrandkäfer, Wasserasseln, Wasserflöhe, etc.
  • Im Wasser: Ein Vorkommen der Teichmuschel wird vermutet, da Schalen dieser Art als Zufallsfunde entdeckt wurden.

 

Pflanzenwelt im Wasser und Uferbereich der Graft:

  • Wasserlinse, Lemna spec. (Die auch als „Entengrütze“ bekannte Wasserlinse ist eine nur wenige Millimeter große, frei auf der Wasseroberfläche treibende Pflanze. Sie bietet kleinen Wasserlebewesen sowohl Nahrung als auch Schutz und nimmt gleichzeitig überschüssige Nährstoffe aus dem Wasser auf. Unter bestimmten Bedingungen kann sie sich sehr schnell vermehren und binnen kurzer Zeit große Flächen der Wasseroberfläche bedecken. Dies reduziert den Lichteinfall ins Wasser, verringert den Sauerstoffgehalt und beeinträchtigt so das Unterwasserleben negativ. Wasserlinsen gedeihen besonders gut in stillstehenden, nährstoffreichen Gewässern die viel ausgesetzt sind und warme Wassertemperaturen aufweisen).
  • Blutweiderich, Lythrum salicaria
  • Mädesüß, Filipendula ulmaria
  • Sumpfschwertlilie, Iris pseudacorus
  • Rohrkolben, Thypha spec. (2026 angepflanzt)
  • Weiße Seerose, Nymphaea alba (2026 angepflanzt)

 

Lust mitzumachen und für Wasserangebote im eigenen Garten zu sorgen?

Kein Leben ohne Wasser. - Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich für alle Tiere, ob im Schlosspark oder in unserem Garten.

Eine Wasserquelle, ob Wassertränke, Teich oder Graft, ist für alle, egal ob Igel, Vogel oder Biene, lebensnotwendig. Sie sollte im Sommer in jedem Garten ebenso selbstverständlich sein wie die Vogelfütterung im Winter.

Im Idealfall findet sich im Garten ein Teich, der nicht nur eine willkommene Wasserquelle zum Trinken, sondern gleichzeitig ein Lebensraum für Wasserinsekten, Molche, Frösche etc. ist. Zu bedenken ist, einen Flachwasserbereich einzurichten, so dass Igel das Wasser gut erreichen, Vögel ungestört trinken und ein Bad nehmen können, und auch Insekten die Möglichkeit haben, die Wasserstelle ungefährdet zu nutzen.

Informationen zum Anbieten von Wassertränken und zur Anlage eines Teiches finden Sie unter Punkt 6 der Tipps zur Förderung der Biodiversität im Garten.

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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.