Lebensraum "Natürliche Wildkrautfläche"

Wahre „Inseln der Artenvielfalt“ sind Bereiche im Schlosspark, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, so dass sich heimische Pflanzen dort ungestört entfalten können. Diese ökologisch wertvollen Ruderalflächen finden sich zusätzlich zu den naturnahen Wiesenflächen an der Schlossmauer und am Kompostierungsplatz im östlichen Bereich des Schlossparks.

Ihr hoher ökologischer Wert erklärt sich durch die Vielzahl an Tierarten, die an den heimischen Pflanzen leben. Man geht davon aus, dass von jeder Pflanzenart durchschnittlich 10–50 Tierarten leben. Darunter gibt es stets spezialisierte Arten, die für ihr Überleben auf das Vorkommen einer ganz bestimmten Pflanze oder Pflanzenfamilie angewiesen sind.

Ein bekanntes Beispiel ist die Brennnessel: Sie dient Raupen von über 40 Schmetterlingsarten als Futterpflanze. Für Arten wie das Tagpfauenauge, den Kleinen Fuchs oder den Admiral ist sie sogar unverzichtbar, da deren Raupen ausschließlich von Brennnesselblättern leben und ohne sie nicht überleben könnten.

Wer lebt denn hier? - Pflanzen und Tiere der natürlichen Wildkräuterflächen zum Entdecken

Allein die beiden heimischen Pflanzenarten Brennnessel und Giersch, die auf naturnahen Wildkrautflächen zu finden sind, verdeutlichen den hohen Beitrag dieser Flächen zur Förderung der Artenvielfalt:

Brennnessel:
Die Brennnessel dient Raupen von über 40 Schmetterlingsarten als Futterpflanze. Für Arten wir das Tagpfauenauge, den Kleinen Fuchs und den Admiral ist sie sogar existenziell, da ihre Raupen ausschließlich von Brennnesselblättern leben und ohne sie nicht überleben können. Botanisch betrachtet ist die Brennnessel zweihäusig, das heißt, männliche und weibliche Pflanzen kommen getrennt vor. Die männlichen Blüten sind hellgrün bis gelblich und stehen aufrecht oder waagerecht am Stängel, während die weiblichen Blüten an ihren pinselartigen Narben und die später herabhängenden Samenstände zu erkennen sind.

Giersch:
Der Giersch, ein Doldengewächs, wird im Park und Garten häufig als "Unkraut" wahrgenommen, da er sich über unterirdische Wurzelausläufer stark ausbreitet. Unter Sträuchern und Bäumen bildet er jedoch einen robusten Bodendecker, der zahlreichen Insekten Lebensraum bietet – ein regelrechtes Insektenparadies: Am Giersch lassen sich 31 Wildbienenarten beobachten, darunter 6 spezialisierte Arten, außerdem 9 Schmetterlingsarten, 3 Raupenarten (davon 2 spezialisierte), 85 Schwebfliegenarten und 3 Käferarten.

 

Naturkieker-Tipps:

  • Um die Pflanzen und Tiere der Wildkräuterflächen zu bestimmen, gibt es zahlreiche Apps. Tipps und Apps zum Kennenlernen von Pflanzen und Tieren finden Sie in der Checkliste "Wie lerne ich Pflanzen und Tiere kennen"?
  • Wenn Sie wissen möchten, wie viele und welche Insekten an den einzelnen Pflanzen der Wildkräuterflächen leben, finden Sie entsprechende Informationen bei NaturaDB: Einfach den Namen der Pflanze eingeben und unter dem Stichwort „Ökologie“ nachlesen.

 

Lust mitzumachen und eine Fläche für natürliche Wildkräuter zu entwickeln?

Es ist spannend, einfach einen Bereich im Garten ungestört wachsen zu lassen und zu beobachten, wie sich Pflanzen dort ganz von allein, ohne unser Zutun, entwickeln und welche Tiere sich einstellen. Diese Pflanzen sind von Natur aus perfekt an den Standort angepasst und wachsen dort besonders widerstandsfähig. Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer und andere Kleintiere finden darin Nahrung und Unterschlupf.

Werden zusätzlich ein paar Zweige oder Laub hinzugefügt, stellt sich vielleicht sogar ein Igel ein.

Für einen optisch gepflegten Eindruck können diese „Inseln der Artenvielfalt“ von einem Weg oder einem regelmäßig gemähten Rasenstreifen eingefasst werden.

So entsteht ein Mosaik natürlicher Strukturen, das Pflanzen und Tieren Lebens- und Rückzugsräume bietet. Trotz ihrer oft geringen Größe stellen diese Flächen bedeutende Habitate dar, für Insekten wie Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge ebenso wie für Kleintiere, Igel und weitere Arten, -unscheinbar, aber voller Leben.

Sollten diese Flächen gelegentlich Pflege benötigen, ist Folgendes zu beachten:

  • Die Pflege sollte möglichst spät im Jahr erfolgen, damit die Samen der Blühpflanzen ausreifen und der Insektennachwuchs bereits vollständig entwickelt ist.
  • Sie sollte grundsätzlich abschnittsweise erfolgen, sodass immer Nahrung und Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere vorhanden sind.
  • Ein Teil der Vegetation sollte den Winter über stehen bleiben: In hohlen Stängeln und verblühten Blütenständen überwintern Insekten, Vögel und andere Tiere finden dort Nahrung und Unterschlupf. Erst im Frühjahr sollten die Pflanzenstängel zurückgeschnitten und locker an einem sonnigen Ort aufgeschichtet werden, damit darin nistende Insekten an den ersten warmen Tagen schlüpfen können. 

[nbsp]

Weitere Informationen zu natürlichen Wildkrautflächen:

Icon Aktuelles

Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.