Lebensraum Mauer -Gebäude, Mauernische und Brunnenschacht

Am Beispiel des Schlosses und seines Parks zeigt sich eindrucksvoll, dass auch das Gebäude des Schlosses selbst, seine historischen Nebengebäude wie der Torbogen und die Torhäuser, Entwässerungsschächte wie der Mariengang sowie die Schlossmauer von Pflanzen und Tieren besiedelt werden und spezialisierten Arten Nist- und Lebensräume bieten.

So wachsen in den Fugen der Schlossmauer des Parks Mauerraute, Zimbelkraut und Hirschzungenfarn, unter dem Torbogen zum Innenhof brüten Rauchschwalben und die Entwässerungsschächte dienen Fledermäusen als unverzichtbare Überwinterungsquartiere.

Wer lebt denn hier? – Pflanzen und Tiere des Lebensraumes Mauer zum Entdecken

In und an den Gebäuden und Mauern des Schlosses, des Schlossturms und seiner Nebengebäuden finden sich Nischenbiotope und Nistplätze, die spezialisierten Pflanzen- und Tierarten Lebensräume bieten und zur Bereicherung der Artenvielfalt beitragen.

 

• Schlossturm und Torbogen
Mehrere Vogelarten nutzen den Schlossturm und das Schlossgebäude als Brutplatz:

  • Im Schlossturm wurde ein Nistkasten für Schleiereulen installiert, der zunächst von einer Dohle bezogen wurde. (Das Brutgeschehen dort kann über eine Live-Kamera auf den Seiten "Live dabei!" und "Zu Gast in den Kinderstuben unserer Brutvögel" live verfolgt werden).
  • Außen am Schlossturm wurden in 30 m Höhe Nistkästen für Mauersegler angebracht, um den Höhlenbrütern und eleganten Flugkünstlern Nistraum zu bieten. Ihr munterer Ruf „srieh-srieh“ ist an warmen Sommerabenden über der Stadt unüberhörbar.
  • Unter dem Torbogen zum Schlossinnenhof bauen regelmäßig ab April Rauchschwalben ihre Nester aus kleinen Lehm- und Erdkügelchen und brüten dort. (Das Brutgeschehen kann ebenfalls per Live-Kamera unter "Live dabei!" und "Zu Gast in den Kinderstuben unserer Brutvögel" verfolgt werden). 2024 erhielt das Schloss Jever die Auszeichnung „Schwalbenfreundlichen Haus“ des NABU Niedersachsen.

 

• Unterirdische Gänge und Tunnel
Aus Klinkern gemauerte unterirdische Gänge und Tunnel dienten ursprünglich als Verbindung zwischen der einst vor dem Schloss vorhandenen Ober- und Unterburg sowie dem Wasserausgleich zwischen den unterschiedlichen Grabensystemen. Der sogenannte „Mariengang“ im zentralen Bereich des Schlossparks dient heute den hier vorkommenden Fledermausarten wie der Wasserfledermaus, der Fransenfledermaus und dem Braunen Langohr als unverzichtbares Überwinterungsquartier. Der Gang ist durch ein Gitter gesichert und wurde mit speziellen Nisthilfen für Fledermäuse ausgestattet.

 

• Brunnen
Der markante Brunnen direkt am Weg, der in den nord-östlichen Bereich des Schlossparks führt, diente laut Überlieferung bereits im 18. Jahrhundert der Wasserversorgung. Nach dem Abbruch der ehemaligen Unterburg und der Anlage des Schlossparks wurde er vor etwa 200 Jahren zurückgebaut. 2019 wurde der Brunnen reaktiviert. Mit einer Tiefe von 8 m hat er Grundwasseranschluss. An seinen feuchten Randbereichen finden Moose, Farne und Algen geeignete Lebensbedingungen.

 

• Innenhof/Betriebshof
Der Innenhof und Betriebshof des Schlosses, auch als „italienischer Garten“ bezeichnet, weist keine natürliche Vegetation auf. Zur saisonalen Belebung werden in den warmen Sommermonaten Pflanzkübel mit Zitrusgewächsen, Feigen, exotischen Pflanzen und Kräutern aufgestellt. Dank der südexponierten Lage sowie der Wärmespeicherung der Schlossmauer entsteht ein mildes Mikroklima, das diesen Pflanzen ideale Wachstumsbedingungen bietet und die ökologische Vielfalt im Hof bereichert.

 

Lust mitzumachen, eine lebendige Mauer oder Kräuterspirale im eigenen Garten anzulegen und Nisthilfen am Haus anzubringen?

An sonnigen Standorten aufgeschichtete Steinhaufen oder aus Steinen gebildete Kräuterspiralen und Trockenmauern sind wertvolle Lebensräume, da sie einer großen Vielfalt spezialisierter Tiere wie Wildbienen, Wegwespen, Zauneidechsen und Kröten ideale Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus bereichern sie den Garten auch optisch und ermöglichen spannende Begegnungen mit ihren faszinierenden Bewohnern, die sich dort sehr gut beobachten lassen.

Das Anbringung von Nisthilfen an und in Gebäuden bereichert das Nistplatzangebot für Nischen- und Gebäudebrüter zusätzlich und ermöglicht es Vogelarten wie Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalben, Trauerschnäpper, Schleiereulen und Turmfalken sowie Fledermäusen, geeignete Brut- und Nistplätze zu finden.

Jeder geschaffene Nistplatz ist ein kleiner, aber wirkungsvoller Beitrag zur Förderung der heimischen Artenvielfalt.

 

Informationen und Bauanleitungen zum Bau einer Kräuterspirale, eines Steinhaufens oder einer Trockenmauer:

Informationen zu Nisthilfen an Gebäuden:

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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.