Der Schlosspark Jever als Lebensraum für Fledermäuse

Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten heimischen Säugetieren und sorgen für ein reges Nachtleben im Park.

Im Jeverschen Schlosspark konnten derzeit sechs Fledermausarten nachgewiesen werden: Die Zwergfledermaus (häufigste Art im Schlosspark), die Breitflügelfledermaus, die Rauhautfledermaus, die Mückenfledermaus, der Große Abendsegler und die Wasserfledermaus.

In den Sommermonaten werden Fledermausführungen angeboten, bei denen die für das menschliche Ohr nicht hörbaren Ultraschallrufe der Fledermäuse mithilfe eines „Batdetektors“ für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörbar gemacht werden.

Im Winter finden Zählungen statt unter anderem im "Mariengang", einem vermutlich ehemaligen Entwässerungskanal, der den Fledermäusen als Winterquartier dient. Zur Verbesserung der Quartierbedingungen wurden dort Hohlblocksteine als zusätzliche Unterschlupfmöglichkeiten angebracht. Zum Schutz vor Störungen ist der Bereich durch ein Gitter mit Einflugöffnungen gesichert.

 

Fledermäuse beeindrucken durch ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten und ihre an die Dunkelheit angepasste Lebensweise:

  • Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können: Ihre Flughaut, die sich zwischen Hand, Unterarm, Beinen und Schwanz spannt, ermöglicht ihnen wendige Flugmanöver. So können sie im freien Luftraum oder durch Baum- und Strauchbestände fliegen oder im geschickten Flug Insekten erbeuten.
  • Alle Fledermausarten sind nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in ihren Quartieren, nachts gehen sie auf Nahrungssuche und durchstreifen ihre Jagdgebiete.
  • In ihrer typischen Ruhehaltung hängen sie mit dem Kopf nach unten. Ihre Krallen sind dazu so geformt, dass sie sich durch ihr Eigengewicht automatisch festhalten.
  • Fledermäuse passen ihre Körpertemperatur flexibel an: Bei Aktivität beträgt sie etwa 35-42 °C, in Ruhephasen sinkt sie auf 16-18 °C, um Energie zu sparen. Im Winterschlaf senkt sich ihre Körpertemperatur sogar auf eine Temperatur von nur 3 bis 5 °C. Pro Minute schlägt ihr Herz dann nur drei Mal, pro Stunde atmen sie ein Mal. Um möglichst wenig Wärme zu verlieren, hüllen sich viele Fledermäuse zusätzlich in ihre Flughaut wie in einen wärmenden Mantel.
  • Zur Orientierung und zur Jagd nutzen Fledermäuse die Echoortung. Dabei senden sie Ultraschalllaute aus, die von Beutetieren und anderen Objekten reflektiert werden. Die zurückkehrenden Echos nehmen sie mit ihren Ohren wahr. Auf diese Weise können sie in der Dunkelheit Größe, Form, Geschwindigkeit sowie die Flugrichtung ihrer Beute präzise bestimmen.
  • Auf dem Speiseplan stehen nachtaktive Insekten wie Nachtschmetterlinge (z.B. auch Eichenprozessionsspinner) und Mücken. Eine Zwergfledermaus frisst beispielsweise in einer Nacht 1.000 bis 4.000 Mücken. Dadurch übernehmen Fledermäuse eine wichtige regulatorische Funktion in Ökosystemen.
  • Der Fledermausnachwuchs hat Milchzähne, die ebenso wie bei Menschenkindern durch bleibende Zähne ersetzt werden.
  • Während die Mütter zur Jagd auf Futtersuche unterwegs sind, bleibt der Fledermausnachwuchs im Quartier zurück -vergleichbar mit einem „Kindergarten“.
  • Fledermäuse sind hochsoziale Tiere: Die meiste Zeit des Jahres leben sie in Gruppen zusammenleben, kommunizieren ausgiebig und ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam groß. In ihren Quartieren ruhen Sie häufig in engem Körperkontakt, um Energie zu sparen.

 

Die Lebensweise der Fledermäuse im Jahresverlauf

Ähnlich wie Zugvögel wechseln Fledermäuse im Frühling und Herbst zwischen ihren Winter- und Sommerquartier hin und her:

  • Im Frühling, meist April, erwachen die Fledermäuse in ihren Winterquartieren aus dem Winterschlaf und begeben sich auf den Weg in ihre Sommerquartiere. Diese können je nach Art unterschiedlich weit entfernt liegen: Bei der Rauhautfledermaus liegen sie beispielsweise bis zu 1.500 Kilometer weit entfernt. Bei anderen Arten wie den Langohren liegen sehr nah beieinander -sie wechseln mitunter lediglich aus einem Quartier im Keller hinauf auf einen Dachboden.
  • Die weiblichen Fledermäuse schließen sich im Sommer zu sogenannten Wochenstuben zusammen und bringen dort meist im Juni nach einer Tragzeit von etwa 50 Tagen ihre Jungen zur Welt.
  • Die Männchen verbringen diese Zeit in der Regel einzeln oder in kleinen Männchenkolonien.
  • Die Geburt einer Fledermaus erfolgt kopfüber im Hängen. Die Mutter unterstützt ihr Junges dabei, auf ihren Bauch zu kriechen, so dass es sich an der Zitze festsaugen kann. Bei der Geburt wiegen Fledermausbabies kleiner Arten gerade einmal 2 Gramm, also ungefähr so viel wie zwei Büroklammern.
  • In den darauffolgenden vier bis sechs Wochen werden die Jungen gesäugt. Während der Jagdausflüge der Mütter bleiben die Jungtiere in den Wochenstuben zurück.
  • Sobald die Jungen größer sind, begleiten sie ihre Mütter bei den Ausflügen. Dabei klammern sie sich in ihrem Fell fest und erlernen auf diese Weise Flugmanöver und Jagdtechniken.
  • Im Alter von etwa drei bis vier Wochen sind sie in der Lage, alleine zu fliegen und selbständig zu jagen. Bis zum Aufbruch in die Winterquartiere und Beginn des Winterschlafs heißt es dann, eifrig zu jagen und Fettreserven für den Winterschlaf aufzubauen.
  • Im Herbst ziehen die Fledermäuse abhängig von der Außentemperatur in ihre Winterquartiere, beispielsweise geschützte Nischen in Kellern, unterirdische Entwässerungskanäle oder ausgediente Bunker. Im Nordwesten ziehen sie sich oft erst im Dezember dauerhaft in die Winterquartiere zurück. Sie fliegen bis zu einer Temperatur von 8°.
  • Dort fallen sie in einen sechsmonatigen Winterschlaf. Alle Lebensfunktionen werden dabei stark heruntergefahren. Die Fledermäuse leben in dieser Zeit ausschließlich von ihren Fettreserven. Sie atmen im Winterschlaf etwa 1 Mal pro Stunde.

 

Fledermäuse stehen heute vor erheblichen Herausforderungen:

  • Sie finden immer seltener geeignete Quartiere, da alte Baumbestände mit natürlichen Höhlen rar werden und moderne Gebäude mit abgedichteten Dachböden und Fassaden kaum Unterschlupfmöglichkeiten bieten.
  • Der Rückgang der Insekten in unseren zunehmend artenarmen Landschaften, Städten, Ortschaften und Gärten führt zu Nahrungsmangel für die nachtaktiven Insektenjäger.
  • Zusätzlich beeinträchtigt die zunehmende Lichtverschmutzung ihre Orientierung und erschwert die nächtliche Jagd.
  • Auch der Klimawandel setzt den kleinen Säugern zu: Heiße Sommer können ihre Sommerquartiere übermäßig aufheizen, während langanhaltende Regenperioden die Jagd erschweren oder unmöglich machen.

 

Fledermäuse sind nach § 20e Absatz 1 BNatSchG in Verbindung mit der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung als "vom Aussterben bedroht" besonders geschützt.

 

Fledermäuse stellen übrigens bei normalem Umgang kein Gesundheitsrisiko dar. Eine Übertragung von Krankheiten auf Menschen oder Haustiere wurde in Mitteleuropa bislang nicht nachgewiesen. Eine Ausnahme ist die mögliche Übertragung der Fledermaustollwut. Nach einem Biss kann eine Infektion durch sofortige medizinische Behandlung zuverlässig verhindert werden. Unbehandelt kann sie jedoch einen tödlichen Verlauf nehmen. Aufgefundene Tiere sollten grundsätzlich nur mit Handschuhen angefasst werden.

 

Lust mitzumachen und den Garten zu einem Lebensraum für Fledermäuse zu entwickeln?
In einem fledermausfreundlichen Garten finden die nachtaktiven Tiere ungestörte Rückzugsorte und geeignete Quartiere zur Überwinterung, eine Vielzahl heimischer Pflanzen, die nachtaktiven Insekten als Nahrungsgrundlage dienen sowie natürliche Dunkelheit für ihre nächtlichen Aktivitäten.
 
1. Erhalt bestehender und Schaffung zusätzlicher Quartiere:
  • Fledermäuse sind auf geeignete Verstecke als Quartiere angewiesen. Dazu zählen alte Baumbestände mit natürlichen Höhlen ebenso wie zugängliche Dachstühle, Schuppen, Wandverkleidungen oder andere geschützte Bereiche an Gebäuden. Auch spezielle Fledermausziegel, Dachpfannen oder Holzstöße bieten ihnen Unterschlupf.
  • Durch das Anbringen von Fledermauskästen können zusätzliche Quartiere bereitgestellt und die Tiere gezielt unterstützt werden.

2. Verbesserung des Nahrungsangebotes durch die Förderung nachtaktiver Insekten. Dazu

  • heimische Bäume, Obstbäume, Sträucher und Hecken anpflanzen,
  • eine Blühwiese anlegen,
  • eine natürliche Wildwiese wachsen lassen,
  • „Wilde Ecken“ im Garten zulassen,
  • Altholz im Garten belassen und eine Benjes- oder Strauchhecke anlegen,
  • einen Gartenteich anlegen,
  • auf den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten.

Pflanzen, deren Blüten sich nachts öffnen und die Vielfalt nächtlicher Insekten fördern:

  • Nachtkerze, Oenothera spec.
  • Nachtviole, Hesperis matronalis
  • Wegwarte, Cichorum intybus

Insektenfreundliche Blütenpflanzen für die Beetbepflanzung:

  • Leimkraut/Lichtnelken-Arten, Silene spec.
  • Weidenröschen, Epilobium angustifolium
  • Goldlack, Cheiranthus cheirii
  • Phlox, Phlox paniculata
  • Abendlevkoje, Matthiola incana
  • Gartenreseda, Redesa odorata
  • Gemeine Nachtviole, Hesperis matronalis
  • Seifenkraut, Saponaria officinalis

Insektenfreundliche Gewürzpflanzen:

  • Schnittlauch, Allium schoenoprasum
  • Salbei, Salvia officinalis
  • Wilder Majoran, Origanum vulgare
  • Borretsch, Borago officinalis
  • Melisse, Melissa officinalis

Kletterpflanze zur Förderung von Nachtschmetterlingen:

  • Geißblatt-Arten, Loniera spec.

3. Minimieren nächtlicher Lichteinflüsse:

  • Außenbeleuchtung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ausschalten
  • Wo möglich, Bewegungsmelder nutzen.
  • Insektenschonende Leuchtmittel mit einem bernsteingelben Lichtspektrum von höchstens 2200 Kelvin verwenden.
  • Lampen möglichst nach unten ausrichten. Keinesfalls sollten Lampen und Leuchten zur Seite oder nach oben strahlen, denn das beeinträchtigt Insekten, Fledermäuse und Vögel negativ. Das Licht blendet und tragt zur Lichtverschmutzung bei. Licht sollte stets gezielt nur in Bereiche gelenkt werden, die beleuchtet werden müssen.

 

Weitere Informationen:

 

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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.