Lebensraum Baum und Strauch

Im Landschaftspark des Jeverschen Schlosses übernehmen Bäume und Gehölze eine zentrale Funktion. Sie prägen nicht nur das Erscheinungsbild der Anlage, sondern erfüllen zugleich wichtige ökologische Aufgaben, indem sie Lebensräume für zahlreiche Tierarten schaffen und die Artenvielfalt fördern.

Teile der heutigen Bestände spiegeln bis heute die historische Entwicklung der Schlossanlage wider und bieten den Besucherinnen und Besuchern sowohl einen Ort der Erholung als auch Einblicke in historische Gartenkunst und Landschaftsplanung.

Bereits jetzt zeigen sich auch im Schlosspark Jever Auswirkungen des Klimawandels: Die Gehölze sind zunehmend von Extremwetterereignissen betroffen, wie Ergebnisse des Projekts „Landschaftsgärten im Klimawandel“ belegen. Starke Rückschnitte und zahlreiche Fällungen infolge von Pilzbefall und Sturmschäden haben den Altbaumbestand in den vergangenen Jahren reduziert. Neben intensiven Sturm- und Starkregenereignissen setzen den Bäumen vor allem die zunehmend trockenen und heißen Sommer zu. Längere Dürreperioden schwächen ihre Vitalität, erhöhen ihre Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge und verkürzen ihre Lebensdauer.

Diese Entwicklungen stehen im Kontext einer globalen ökologischen Krise: Nach der Landnutzungsänderung gilt der Klimawandel zweitgrößte Bedrohung der Artenvielfalt gilt. Im Schlosspark wirkt sich der Verlust alter, strukturreicher Bäume deutlich auf zahlreiche Tier- und Pflanzenarten aus, die auf diese Lebensräume angewiesen sind.

Für den Schlosspark hat der Erhalt der charakteristischen Altgehölze oberste Priorität. Über ihre gestalterische und kulturhistorische Bedeutung hinaus spielen sie mit ihren Baumhöhlen und morschen Bestandteilen eine zentrale Rolle für die regionale Artenvielfalt. Zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kann beispielsweise das Belassen von Laub oder einer Mulchdecke im Wurzelbereich gehören. Dieses stärkt die Population von Regenwürmern und anderen Kleintieren, verbessert die Bodenbelüftung und Humusbildung und optimiert die Nährstoffversorgung der Bäume.

Bei Neuanpflanzungen ist ein ausgewogener Ansatz entscheidend: Die historische Authentizität des Parks soll gewahrt werden, zugleich muss die Zukunftsfähigkeit der Grünanlagen gesichert sein. Die sorgfältige Auswahl von Art und Standort der Neupflanzungen beeinflusst maßgeblich die Lebenserwartung der Pflanzen. Besonders wichtig ist die Verwendung heimischer Arten und Sorten aus regionaler Herkunft, da diese an die lokalen Bedingungen angepasst sind und eine hohe Überlebenschance besitzen. Eine hohe genetische Vielfalt sowie große Artenvielfalt wirken stabilisierend und können das Risiko klimawandelbedingter Ausfälle verringern.

Wer lebt denn hier? - Bäume und Sträucher des Schlossparks und ihr Wert für die Tierwelt

Die ursprünglichen Bepflanzungspläne für den Schlosspark Jever sind zwar nicht überliefert, doch die gestalterischen Leitideen sowie die Auswahl der Gehölze lassen sich bis heute nachvollziehen.

Vorzugsweise wurden einheimische Laubbaumarten gepflanzt, die sich sowohl solitär als auch in lockeren Gruppen eindrucksvoll entfalten können. Besonders häufig vertreten sind Berg-Ahorn, Stiel-Eiche und Gemeine Esche. Insgesamt umfasst der Baumbestand des Schlossparks 222 Bäume verschiedener Arten mit Wuchshöhen zwischen 4 und 32 m.

 

Heimische Bäume und Sträucher:

Heimische Gehölze sind optimal an die örtlichen klimatischen Bedingungen angepasst. Sie bieten zahlreichen Tierarten wertvolle Lebensräume und  fördern die lokale Artenvielfalt in besonderem Maße.

  • Für die Tierwelt ist jeder Baum ein eigenständiges Biotop von unschätzbarem Wert: Unzählige Kleintiere, Insekten und Vögel finden im Geäst, am Stamm, im Wurzelbereich sowie an Blättern und Blüten Nahrung und Schutz. Jeder Baum wird so zu einem Mosaikstein im Netzwerk natürlicher Strukturen und trägt wesentlich zum Erhalt der Biodiversität bei.
  • Die im Herbst herunterfallenden Blätter werden von Kleintieren zersetzt und von Regenwürmen in die Erde gezogen. Dadurch entsteht eine nährstoffreiche Humusschicht, die CO₂ bindet und den Boden lockert. Die Vielzahl der im Laub lebenden Kleintiere und Regenwürmer dient insbesondere im Winter als eiweißreiche Nahrungsquelle für Vögel.
  • Auch Altholz, verrottende Stämme und Äste erfüllen wichtige ökologische Funktionen: Sie bieten Lebensraum für holzzersetzende Insekten und Kleintiere, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Darüber hinaus dienen sie im Winter als geschützte Quartiere für Marienkäfer, Erdkröten und Igel.
  • Die Wurzeln der Gehölze lockern den Boden und schaffen ein offenporiges Gefüge, das Wasser aufnehmen und wie in einem Schwamm speichern kann und regulieren somit den Wasserhaushalt. Auf diese Weise tragen sie zur Regulierung des Wasserhaushalts bei. Bei starken Regenfällen bremsen die Blätter zudem die Wucht der Tropfen, sodass das Wasser langsam in den Boden einsickern kann.
  • Bäume spenden im Sommer wohltuenden Schatten und kühlen ihre Umgebung an heißen Tag zusätzlich durch Verdunstung. Der Effekt ist beachtlich: Berechnungen einer niederländischen Studie zufolge entspricht die Kühl-Leistung eines ausgewachsenen Baumes der von bis zu zehn Klimaanlagen. Von diesem positiven Einfluss auf das Kleinklima profitieren sowohl die Bewohner als auch die Besucher des Parks.
  • Bäume und Sträucher machen den Wechsel der Jahreszeiten sinnlich erlebbar: Blütendüfte im Frühling und Sommer, das Rascheln der Blätter im Wind sowie der Gesang der Vögel prägen die Atmosphäre. Die Gehölze strukturieren den Park und verleihen ihm seinen unverwechselbaren Charakter.
  • Nicht zuletzt leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Sie nehmen CO₂ aus der Luft auf, binden es in Blättern, Ästen, Stamm und Wurzelwerk und setzen gleichzeitig lebensnotwendigen Sauerstoff frei. Zudem filtern ihre Blätter Staubpartikel aus der Luft und verbessern so die Luftqualität.
 

Obstbäume

Auch Obstbäume haben eine große ökologischer Bedeutung:
  • Ein einziger alter Obstbaum kann Lebensraum für bis zu 1.000 Insektenarten bieten.
  • Ihre Blüten im Frühjahr sind eine wichtige Nektar- und Pollenquelle für Bienen, Hummeln und Wildbienen.
  • Ihre Früchte dienen Insekten, Vögeln und Säugetieren als Nahrung.
  • Totholz und Baumhöhlen alter Bäume sind wichtige Lebensräume für Vögel, Fledermäuse und spezialisierte Insekten
  • Obstbäume nehmen CO₂ aus der Luft auf, leisten somit einen Beitrag zum Kilmaschutz und wirken regulierend auf das Kleinklima.
  • Sie machen den Wechsel der Jahreszeiten unmittelbar erlebbar durch die Blütenpracht im Frühling und wohlschmeckende Früchte im Herbst und sind ein prägender Blickfang.

 

Nicht-heimische Bäume und Sträucher

Neben den heimischen finden sich im Schlosspark nicht-heimische, exotische Baum- und Straucharten die ursprünglich aus anderen Kontinenten nach Europa eingeführt wurden. Sie stammen jedoch nicht aus der Gründungszeit des Parks, sondern wurden erst später ergänzt.

Insbesondere die Strauchbestände des Parks setzen sich überwiegend aus nicht-heimischen Ziersträuchern zusammen. Dazu zählen unter anderem Rhododendron, Lorbeerkirsche, Gewöhnliche Schneebeere und Gelbe Azalee.

Der ökologische Wert nicht-heimischer Gehölze ist für die heimische Tierwelt meist gering, einige Arten sind für die einheimische Fauna sogar nahezu wertlos.

Zum Vergleich:

  • Anzahl der Insektenarten am Zierstrauch Rhododendron: 2 Wildbienenarten, 2 Käferarten.
  • Anzahl der Insektenarten am heimischen Schwarzen Holunder: 7 Schmetterlingsarten, 19 Raupenarten, davon 1 spezialisiert, 19 Schwebfliegenarten, 19, Käferarten, Vogelnährgehölz für 62 Vogelarten.

Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, die Anzahl nicht-heimischer Gehölze an ausgewählten Standorten langfristig zu reduzieren und durch heimische Arten zu ersetzen. Dabei ist im Schlosspark ein sensibles Abwägen zwischen ökologischen Zielen und denkmalpflegerischen Anforderungen erforderlich, um den historischen Charakter des Schlossparks zu bewahren.

 

Die Baum- und Straucharten im Schlosspark Jever zum Entdecken

Bäume des Schlossparks

Anmerkung: Eine Karte mit den Standorten der genannten Baumarten befindet sich derzeit in Bearbeitung. Wir bitten um etwas Geduld.

 

1 Rosskastanie, Aesculus hippocastanum (nicht heimisches Gehölz)
Die Gewöhnliche Rosskastanie aus der Familie der Seifenbaumgewächse stammt ursprünglich aus Berg- und Schluchtwäldern Kleinasiens und des Balkans. Ihren Namen erhielt sie, weil die stärkereichen Samen früher als Pferdefutter genutzt wurden.
Hummeln und andere Wildbienen finden in den großen Blütenständen Nektar und Pollen. Dabei werden sie durch eine sogenannte ‚Bestäubungs-Ampel‘ geleitet: Sobald eine Blüte von einem Insekt bestäubt wurde, verfärbt sie sich rot und stellt die Nektarproduktion ein, so dass nachfolgende Insekten erkennen, dass die Futterquelle erschöpft ist.
Die Blätter der Rosskastanie dienen den Raupen zahlreicher Nachtfalter als Nahrung, darunter die Ahorn-Rindeneule und das Blausieb.

2 Riesen-Thuja, Thuja plicata (nicht heimisches Gehölz)
Der immergrüne Riesen-Lebensbaum ist im Westen Nordamerikas heimisch. Aufgrund seines rötlichen, duftenden Holzes wird er oft ‚Rote Zeder‘ genannt. Die Blätter sehen aus wie kleine Schuppen, die kreuzweise gegenständig an den Zweig gedrückt sind. Auffällig ist der aromatische Duft.

3 Eibe, Taxus baccata (heimisches Gehölz)
Die Eibe ist ein ursprünglich in Mitteleuropa beheimateter immergrüner Nadelbaum. Ihr hartes, elastisches Holz war früher ein wichtiger Werkstoff, zum Beispiel für Bögen sowie Drechsel- und Schnitzarbeiten.
Die Eibe ist zweihäusig, das heißt es gibt männliche und weibliche Exemplare. Die weiblichen Pflanzen tragen die auffälligen roten Beeren, die von vielen Vögeln gerne gefressen werden.
Die Bestäubung der Europäischen Eibe erfolgt, wie bei Nadelhölzern üblich, durch den Wind. Als immergrünes Gehölz hat sie zudem ganzjährig große Bedeutung für die Vogelwelt, da sie Unterschlupf bietet und als Nistplatz dient. Alle Teile der Pflanze bis auf den roten Samenmantel sind giftig.

4 Stieleiche, Quercus robur (heimisches Gehölz)
In den Geestgebieten Nordwestdeutschlands kommt ausschließlich die Stieleiche vor. Ihr Name leitet sich von den langstieligen Fruchtstielchen, den sogenannten ‚Pfeifenstielchen‘, ab, während die Blätter selbst nur kurz gestielt sind. Von den Laubblättern ernähren sich die Raupen von über 40 Schmetterlingsarten, darunter Nachtfalter aus den Familien der Eulen- und Spinnartigen, wie die Grüne Eicheneule, sowie Tagfalter wie der Braune Eichen-Zipfelfalter.
Es wird angenommen, dass in einer ausgewachsenen Stieleiche zusätzlich mehr als 1.000 Käfer- und andere Insektenarten leben. Diese Insekten wiederum dienen Vögeln und Säugetieren als eiweißreiche Nahrung und machen die Eiche zu einem wichtigen Lebensraum im Ökosystem Park.

5 Zierapfel, Malus spec. (Ziergehölz)
Der Zierapfel ist eine Zuchtform des Wildapfels. Markant sind seine Blütenfülle im Frühjahr und seine auffälligen, farbenfrohen Früchte im Herbst. Dieses erklärt seinen großen ökologischen Wert: Die Blüten dienen zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle; die Früchte werden von Vögeln, Kleinsäugern und weiteren Tieren gefressen. Die Früchte sind genießbar, jedoch aufgrund ihres hohen Fruchtsäuregehalts recht herb. Sie können jedoch zu Kompott, Gelee oder Marmelade verarbeitet werden.

6 Esche, Fraxinus excelsior (heimisches Gehölz)
Die Esche ist in Nordwestdeutschland ein typischer Baum der Marsch und gedeiht besonders gut auf nährstoffreichen, feuchten Böden. Ihre Früchte mit länglichen Flügeln verbreiten sich als ‚Dreh-Flieger‘ – nach dem gleichen Prinzip wie etwa die Ahornfrüchte. Obwohl Eschen überwiegend windbestäubt werden, besuchen zahlreiche Bienen ihre Blüten, um den nahrhaften Blütenstaub zu sammeln. Die Blätter der Esche sind zudem begehrt bei den Raupen vieler Nachtfalter, darunter Ligustereule, Eschen-Zackenrandspanner und Blausieb.

7 Ilex, Ilex aquifolium (heimisches Gehölz)
Der Ilex, auch Stechpalme genannt, wächst in Nordwestdeutschland häufig strauchartig im Unterholz lichter Laubwälder, kann sich aber auch zu einem kleinen Baum entwickeln. Zum Schutz vor Fraß sind seine immergrünen, lederartigen Blätter mit dornigen ‚Stech-‘ Zähnen versehen.
Die Bestäubung der Blüten übernehmen unter anderem sieben Wildbienenarten, darunter Sandbienen wie die Rostrote Sandbiene, die Gehörnte Mauerbiene und die Frühlings-Seidenbiene. Die leuchtend roten Früchte dienen Vögeln als wichtige Winternahrung.

8 Bergahorn, Acer pseudoplatanus (heimisches Gehölz)
Der ursprüngliche Verbreitungsschwerpunkt des Bergahorns lag in den Mittelgebirgen und im Alpenraum; in Nordwestdeutschland kam er ursprünglich nicht wild vor. Mittlerweile hat er sich jedoch auch hier etabliert und zählt zu den heimischen Pflanzenarten.
Die unscheinbaren Blüten des Bergahorns sind sehr nektarreich und daher bei Wildbienen wie Sand- und Mauerbienen sowie bei Schmetterlingen besonders beliebt. Die Blätter des Bergahorns dienen den Raupen von 37 Schmetterlingsarten als Nahrung, darunter Spanner, Spinner und Motten, sowie spezialisierten Arten wie der Ahorneule, dem Ahornspanner und der Ahornmotte.

9 Walnuss, Juglans regia (nicht heimisches Gehölz)
Der Walnussbaum stammt ursprünglich aus den montanen Regionen West- und Mittelasiens. Bekannt und beliebt ist er durch seine Früchte, die Walnüsse - eine eiweißreiche, fettreiche, Kraftnahrung. Genau genommen handelt es sich dabei um den Kern einer Frucht, die von einer grünen, ungenießbaren Fruchthülle umgeben ist. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch den Wind. Walnussbäume lassen sich zweifelsfrei erkennen an ihren typischen zusammengesetzten Blättern, denen beim Zerreiben ein intensiver, würziger Duft entströmt.

10 Esskastanie / Marone, Castanea sativa (nicht heimisches Gehölz)
Ursprünglich war die Esskastanie in den wärmeren Regionen Südeuropas und Kleinasiens beheimatet. Von dort breitete sie sich zunächst im Mittelmeerraum und später im weiteren Europa aus. Typische Merkmale sind ihre länglichen, gezähnten Blättern und die stacheligen Fruchthüllen, in denen die essbaren Kastanien heranreifen, die reich an Kohlenhydraten und Mineralstoffen sind. Auch wenn der Name es vermuten lässt, ist die Esskastanie nicht mit der Rosskastanie verwandt. Stattdessen gehört sie zu den Buchengewächsen und ist eng mit der heimischen Rotbuche verwandt.

11 Schwarzerle, Alnus glutinosa (heimisches Gehölz)
Die Schwarzerle wächst natürlicherweise an Flussufern und in Bruchwäldern, bevorzugt feuchte Böden und verträgt auch zeitweise ‚nasse Füße‘. Ihr Wurzelsystem schützt die Ufer vor Erosion und bietet Amphibien, Insekten und Fischen wertvolle Rückzugsmöglichkeiten.
Die saftigen, dunkelgrünen Blätter sind eine wichtige Futterquelle für die Raupen von 91 Schmetterlingsarten, darunter 23 spezialisierte Arten. Obwohl die Erle überwiegend windbestäubt wird, besuchen zahlreiche Wildbienen ihre Blüten, um die eiweißreichen Pollen zu sammeln. Die Samen der dekorativen, zapfenartigen Früchte dienen im Winter den Erlenzeisigen als Nahrung

12 Sumpfzypresse, Taxodium distichum (nicht heimisches Gehölz)
Die Sumpfzypresse ist ein Nadelbaum, der ursprünglich aus den südlichen USA, vor allem aus Mississippi und Texas, stammt. In ihrer Heimat wächst sie in flachen Gewässern und Überschwemmungsgebieten und bevorzugt daher feuchte Böden. Im Schlossgarten wurde sie entsprechend in unmittelbarer Nähe zur Graft gepflanzt.
Ansatzweise sind die sogenannten ‚Atemknie‘ zu erkennen – markante Standwurzeln, die aus dem Boden ragen und bei anhaltender Staunässe über ein grob strukturiertes Gewebe Sauerstoff ins Wurzelwerk leiten.

13 Rotbuche / Blutbuche, Fagus sylvatica (heimisches Gehölz)
Die Rotbuche ist in vielen Wäldern Europas bestandsbildend. Ihr Name leitet sich von der rötlichen Färbung des Holzes und der Knospen ab, die beim Austrieb leicht rot erscheinen.
Im Schlosspark wurden einige Exemplare der Blutbuche (Fagus sylvatica f. purpurea) gepflanzt. Die rote Blattfärbung entstand vermutlich durch eine zufällige Mutation; die Blätter enthalten den roten Farbstoff Cyanidin.
Im westlichen Bereich wuchs bis 2017 eine stattliche Blutbuche, die leider gefällt werden musste, da sie krank und innen unter anderem durch Pilzbefall morsch wurde (Link Video und Pflanzaktion). Es handelte sich um einen Mehrstammbaum, bei dem mehrere Stämmchen zusammenwuchsen und so den Eindruck eines Einzelbaumes erzeugten. An ihrer Stelle wurde 2018 eine junge Blutbuche gepflanzt.
Buchen gehören in den Wäldern Nordwestdeutschlands zu den wichtigsten Nahrungspflanzen heimischer Schmetterlinge. Die Raupen von etwa 70 Nachtfalterarten, darunter Rotbuchen-Gürtelpuppenspanner, Grauer Rotbuchen-Herbstspanner und Rotbuchen-Flechten-Baumspanner, fressen an den Blättern. Außerdem sind rund 30 Käferarten an Rotbuchen zu finden. Die Blutbuche ist eine Mutation der Rotbuche.

14 Sommer- und Winterlinden, Tilia platyphylla (heimische Gehölze)
Die flächenmäßig größte Baumgruppe des Parks besteht aus Linden und befindet sich auf dem Schlossparkhügel im südlichen, unter dem die Reste einer einstigen Bastion vermutet werden.
Die Sommerlinde ist durch ihre unzähligen, nektarreichen Blüten und ihre Blütezeit im Juni und Juli eine besonders attraktive Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge. Die Blätter der Linden dienen zudem den Raupen von 64 Schmetterlingsarten als Nahrung, darunter 10 spezialisierte Arten.

15 Tulpenbaum, Liriodendron tulipifera (nicht heimisches Gehölz)
Der Tulpenbaum stammt ursprünglich aus Nordamerika. Seine großen, gelappten Blätter, die an der Spitze fast gerade abgeschnitten sind, färben sich im Herbst leuchtend gelb und wirken besonders dekorativ. Nach dem Abwerfen der Blätter ist er an den aufrechten, zapfenartigen Fruchtständen gut erkennbar, die den Winter über am Baum verbleiben.

16 Urwelt-Mammutbaum, Metasequoia glyptostroboides (nicht heimisches Gehölz)
Der Urwelt-Mammutbaum ist ein laubabwerfender Nadelbaum, der der systematisch verwandten Sumpfzypresse ähnelt. Wie der Ginkgo kann er als noch existierender Vertreter einer in früheren Erdzeitaltern (Tertiär) verbreiteten Gattung als ‚lebendes Fossil‘ bezeichnet werden.
Typisch für den Urwelt-Mammutbaum ist sein unregelmäßiger Stamm mit deutlich hervortretenden, rippenartigen Auswüchsen und die rötlich schimmernde, dicke und elastische Rinde, die sich in schmalen Streifen vom Stamm ablöst.

17 Katsurabaum, Cericidiphyllum japonicum (nicht heimisches Gehölz)
Der Katsurabaum stammt aus Südostasien (Japan, China). Beliebt ist er wegen seiner dekorativen Belaubung – die gegenständigen leicht herzförmigen Blätter sitzen mit kurzen Stielen an langen Trieben und haben eine intensive Herbstfärbung. Sie weisen im Herbst einen würzigen Kuchengeruch auf, daher ist er auch bekannt unter dem Namen „(Leb)-Kuchenbaum.

18 Ginkgo, Ginkgo biloba (nicht heimisches Gehölz)
Der Ginkgo gilt als ‚lebendes Fossil‘, da er der letzte existierende Vertreter einer früher weit verbreiteten Pflanzengruppe ist und daher pflanzenbiologisch von besonderem Interesse. Innerhalb der Pflanzensystematik gehören die Ginkgogewächse weder zu den Laub- noch zu den Nadelbäumen; als Nacktsamer sind sie den Nadelbäumen näher verwandt, besitzen jedoch keine Nadeln, sondern parallel- und gabelnervige Blätter, die an Farne erinnern.
Die Art ist zweihäusig: Der Baum im Schlosspark ist ein weibliches Exemplar und trägt im Herbst fleischige Samen, die kleinen Aprikosen ähneln.

19 Kanandische Hemlocktanne, Tsuga canadensis (nicht heimisches Gehölz)
Die Kanadische Hemlocktanne stammt aus dem östlichen Nordamerika. Botanisch gehört sie zur eigenen Gattung Tsuga und ist daher keine echte Tanne.
Die Nadeln der Hemlocktanne sind weich, glänzend grün, bis zu zwei Zentimeter lang, rundlich zugespitzt und tragen auf der Unterseite zwei schmale weiße Bänder. Die braunen, eiförmigen Zapfen sind mit 1,5 bis 2 Zentimetern relativ klein.

20 Apfelbaum, Malus domestica (Obstgehölz)
Ursprünglich in Europa beheimatet war der Wildapfel, Malus sylvestris, der in lichten Wäldern und an den Waldrändern vorkam. Der Großteil der heute verbreiteten Kulturäpfel geht nach heutiger Auffassung jedoch auf den asiatischen Wildapfel, Malus sieversii, zurück, dessen ursprüngliches Verbreitungsgebiet in den Gebirgsregionen Kasachstans liegt. Apfelbäume bsitzen einen großen ökologischen Wert: Ihre Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber; ihre Früchte dienen Vögeln, Insekten und Säugetieren als Nahrung; sie bieten Lebensraum, Nistmöglichkeiten und Schutz für zahlreiche Tierarten; insbesondere alte Obstbäume mit Höhlen und Totholz fördern die Artenvielfalt.

 

Sträucher des Schlossparks:

Heimische Arten:

  • Haselnuss, Corylus avellana
  • Ilex, Ilex aquifolium
  • Holunder, Sambucus nigra
  • Weißdorn, Crataegus monogyna
  • Himbeere, Rubus idaeus

Ziersträucher und nicht-heimische Arten:

  • Schneebeere, Symphoricarpus albus
  • Pfeifenstrauch, Philadelphus spec.
  • Azalee, Rhododendron japonicum
  • Rhododendron, Rhododendron spec.
  • Lorbeerkirsche, Prunus laurocerasus
  • Heckenkirsche, Lonicera spec.
  • Schneeball, Viburnum spec.
  • Goldjohannisbeere, Ribes aureum
  • Zaubernuss, Hamamelis spec.
  • Goldregen, Laburnum anagyroides
  • Flieder, Syringa vulgaris
  • Kamelie, Camellia japonica

Bodenbedeckende Pflanzen unter den Gehölzen:

  • Efeu, Hedera helix
  • Scharbockskraut, Ficaria verna
  • Giersch, Aegopodium podagraria
  • Immergrün, Vinca minor
  • Anemone/Buschwindröschen, Anemone nemorosa
  • Goldnessel, Lamium galeobdolon
  • Gundermann, Glechoma hederacea
Lust mitzumachen und einen Baum, Strauch oder eine Hecke zu pflanzen? 

Die Pflanzung heimischer Bäume und Sträucher und Obstbäume hat zahlreiche positive Effekte: Sie sind in idealer Weise an die klimatischen Bedingungen vor Ort angepasst und tragen in hohem Maße zur Förderung der lokalen Artenvielfalt bei.

Heimische Bäume und Sträucher:

  • Für die Tierwelt ist jeder Baum ein eigenes Biotop von unschätzbarem Wert: Unzählige Kleintiere, Insekten und Vögel leben in seinem Geäst, am Stamm, im Bereich seiner Wurzeln und von seinen Blättern und Blüten. Jeder Baum bildet einen Mosaikstein im Netzwerk der natürlichen Strukturen des Parks und trägt so zum Erhalt der Biodiversität bei.
  • Die im Herbst herunterfallenden Blätter werden von Kleintieren zersetzt und von Regenwürmen in die Erde gezogen. So entwickelt sich eine nährstoffreiche Humusschicht, die CO2 bindet und den Boden auflockert. Die Schar der Kleintiere und Regenwürmer dient der Vogelwelt insbesondere im Winter als eiweißreiches Vogelfutter.
  • Altholz, verrottende Stämme und Äste sind Lebensraum für holzzersetzende Insekten und Kleintiere, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Im Winter bieten sie Quartier für Marienkäfer, Erdkröten und Igel.
  • Die Wurzeln der Gehölze lockern den Boden und schaffen ein offenporiges System, das Wasser aufnehmen und wie in einem Schwamm speichern kann und regulieren somit den Wasserhaushalt. Bei starken Regengüssen bremsen die Blätter die Regentropfen ab, so dass das Wasser langsam in die Bodenschichten einsickern kann.
  • Bäume spenden im Sommer Schatten und kühlen ihre Umgebung an heißen Sommertagen zusätzlich durch ihre Verdunstung. Der Temperaturunterschied ist beachtlich - Berechnungen einer niederländischen Studie zufolge entspricht die Leistung eines ausgewachsenen Baumes als natürliche "Outdoor-Klima-Anlage" der Leistung von 10 Klimaanlagen. Von diesen positiven Auswirkungen auf das Kleinklima profitieren die Bewohner und Besucher des Parks.
  • Bäume und Sträucher machen die Jahreszeiten erlebbar: Sie verwöhnen die Sinne, indem sie im Frühling und Sommer ihre typischen Blütendüfte verströmen, die Geräuschkulisse um das Rascheln des Windes in den Blättern bereichern und natürlich die des Vogelgezwitschers.
  • Gehölz strukturieren und verleihen dem Park oder Garten seinen eigenen Charakter.
  • Gehölze nehmen CO2 aus der Luft auf und binden es in ihren Blättern, Ästen, dem Stamm und in ihrem Wurzelwerk und leisten somit einen Betrag zum Klimaschutz.
  • Dabei setzen sie für uns unverzichtbaren Sauerstoff frei.
  • Zudem reinigen ihre Blätter die Luft von Staubpartikeln.

Obstbäume

  • Ein einziger alter Obstbaum kann Lebensraum für bis zu 1.000 Insektenarten bieten.
  • Die Blüten im Frühjahr sind eine wichtige Nektar- und Pollenquelle für Bienen, Hummeln und Wildbienen.
  • Die Früchte dienen Insekten, Vögeln und Säugetieren als Nahrung.
  • Totholz und Baumhöhlen alter Bäume sind wichtige Lebensräume für Vögel, Fledermäuse und spezialisierte Insekten
  • Obstbäume nehmen CO2 aus der Luft auf und wirken regulierend auf das Kleinklima. und speichern Kohlenstoff
  • Außerdem sind Obstbäume sind ein Blickfang, lassen den Wechsel der Jahreszeiten intensiv miterleben durch die Blütenpracht im Frühling und wohlschmeckende Früchte im Herbst.
  • Informationen zu regionaltypischen Obstbaumsorten erhalten sie vom Landkreis Friesland (Kontakt: Dr. Henrike Wiggering, h.wiggering@friesland.de, 04461-919-5111) oder der Mobilen Umweltbildung-Mobilum (Kontakt: Petra Walentowitz, mobilum@friesland.de, 0151 51440267).

 

Informationen über heimische Gehölze und Obstgehölze im Garten:

  • Informationen darüber, welche und wie viele Insekten an den einzelnen Bäumen und Sträuchern leben, finden Sie in der Datenbank NaturaDB: Dazu einfach den Namen der Pflanze eingeben und unter dem Stichwort „Ökologie“ nachlesen.
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Unsere Gärten haben durch ihre kleinräumige Vernetzung und ihren insgesamt betrachtet erheblichen Flächenanteil ein beachtliches Artenschutzpotenzial. Mit einer naturnahen Gartengestaltung können wir zum Erhalt der heimischen Biodiversität beitragen.