Grabenpflege in Jever: Neue Wege für mehr Artenvielfalt

von Petra Walentowitz

Gräben sorgen nicht nur dafür, dass Regenwasser abfließen kann. Sie sind zugleich Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Wie sich diese ökologische Funktion durch eine angepasste Grabenpflege stärken lässt, erproben unter anderem EWE WASSER und mehrere Partner derzeit in Jever. Mit Beginn der diesjährigen Grabenpflege am 5. Oktober werden deshalb einige Gräben bewusst anders gemäht als bisher.

Das Gemeinschaftsprojekt „Biodiversitätsfördernde Pflege von Gräben“ ist Teil des Projektes „Blühendes Friesland“. Beteiligt sind neben EWE WASSER der Landkreis Friesland im Rahmen des Niedersächsischen Weges, die Stadt Jever, die mobile Umweltbildung MOBILUM und das Projekt „Naturkieker“ der Oldenburgischen Landschaft. Seit diesem Jahr arbeitet die Projektgruppe zudem mit dem Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg zusammen.

An drei Mustergräben werden unterschiedliche Formen der Pflege erprobt. Bei der wechselseitigen Mahd bleibt jeweils eine Grabenseite ungemäht, bei einer weiteren Variante werden einzelne Abschnitte ausgespart. Beim dritten Mustergraben kommt die sogenannte „10-10-Regel“ zur Anwendung: Mindestens zehn Prozent der Vegetation bleiben – auch über den Winter – stehen, außerdem wird nicht tiefer als zehn Zentimeter gemäht. Ein weiterer, herkömmlich gepflegter Graben dient zum Vergleich.

Die stehen gelassenen Bereiche sollen Pflanzen und Tieren Rückzugsräume bieten und dazu beitragen, die Artenvielfalt entlang der Gewässer zu erhalten und zu fördern. Gleichzeitig muss gewährleistet bleiben, dass die Gräben das anfallende Wasser zuverlässig ableiten können.

Ziel des Projektes ist es, aus den gewonnenen Erkenntnissen eine praxistaugliche Pflegeempfehlung zu entwickeln. Dabei geht es nicht allein um die ökologische Wirkung. Berücksichtigt werden auch praktische Fragen: Welche Maßnahmen lassen sich mit den vorhandenen Maschinen umsetzen? Welcher zusätzliche Aufwand entsteht? Und wie lassen sich Artenvielfalt und eine zuverlässige Entwässerung dauerhaft miteinander verbinden?

Die Entwicklung der Mustergräben wird beobachtet und dokumentiert. Erkenntnisse aus einem wissenschaftlich begleiteten Grabenprojekt auf dem Gelände der Universität Oldenburg fließen ebenfalls in die Arbeit in Jever ein. Im Frühjahr wollen die Projektpartner erste Erkenntnisse vorstellen und über das weitere Vorgehen beraten. Perspektivisch soll geprüft werden, ob sich das Konzept auf weitere von EWE WASSER gepflegte Gräben übertragen lässt. Zugleich soll das Projekt anderen Kommunen und Institutionen Anregungen für eine biodiversitätsfördernde Grabenpflege geben.

 

Ansprechpartner:

  • EWE Wasser GmbH, Dipl.-Ing. Jürgen Ritter; E-Mail: juergen.ritter@ewe.de, Tel.: 0162 - 1384028,
  • Landkreis Friesland, Fachbereich Umwelt, Dr. Henrike Wiggering; E-Mail: h.wiggering@friesland.de, Tel.: 04461-919-5111
  • Mobile Umweltbildung-MOBILUM, Petra Walentowitz; E-Mail: mobilum@friesland.de, Tel.: 0151 51440267

 

Hinweis für Anwohnerinnen und Anwohner zu den Pflegearbeiten: Damit Drainageeinleitungen und Abflussrohre bei den Pflegearbeiten nicht beschädigt werden, bittet EWE Wasser GmbH, die Ausläufe freizulegen und gut sichtbar zu kennzeichnen. Auch die Räumstreifen entlang der Gräben müssen für die eingesetzten Geräte und die Ablage des Mähguts frei zugänglich sein. Die EWE Wasser GmbH pflegt im Stadtgebiet von Jever rund elf Kilometer offene Gräben. Sie nehmen Oberflächenwasser auf und führen es über Regenrückhaltebecken und Vorfluter in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Für Rückfragen stehen die zuständigen Mitarbeiter der Abwasserreinigungsanlage Jever unter 04461 9689-401 zur Verfügung.

Schilfkäfer und Bernsteinschnecken gehören zu den typischen Bewohnern der Vegetation an Gewässerrandstreifen

Fotos: Dieter Harms

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