Mehr Artenvielfalt am Wegesrand: Kommunen in Friesland setzen gemeinsam auf naturnahe Pflege
von Petra Walentowitz
Auch künftig werden die Straßen- und Wegeränder im Landkreis Friesland gepflegt und gemäht – allerdings nicht überall und nicht vollständig kurz. Denn wo ein Teil der Vegetation stehen bleiben darf, können Gräser, Kräuter und Wildblumen wachsen und wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tiere schaffen. Im Landkreis Friesland arbeiten die Kommunen bereits seit mehreren Jahren daran, die Pflege ihrer öffentlichen Grünflächen und Wegeränder biodiversitätsfreundlicher zu gestalten. Nun haben die Projektpartner ihre Erfahrungen in einer gemeinsamen „Checkliste“ gebündelt, die künftig flächendeckend im Rahmen der Möglichkeiten im Landkreis Friesland umgesetzt werden soll.
Seit 2020 finden unter dem Motto „Blühendes Friesland“ in Zusammenarbeit mit der Mobilen Umweltbildung (MOBILUM) und dem Landkreis Friesland jährlich Schulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauhöfe der Kommunen im Landkreis Friesland sowie weitere Akteure statt. Was zunächst mit verschiedenen praktischen Maßnahmen und dem Sammeln von Erfahrungen begann, hat sich inzwischen zu einem landkreisübergreifenden Gemeinschaftsprojekt entwickelt. Gemeinsam wurde ein Pflegekonzept erarbeitet, das nun in Form einer Checkliste veröffentlicht wird und konkrete Empfehlungen für eine natur- und insektenfreundliche Pflege von Straßen- und Wegrändern sowie öffentlichen Grünflächen enthält.
Welche Bedeutung eine solche Pflege für den Erhalt der Artenvielfalt hat, erläutert Petra Walentowitz von der Mobilen Umweltbildung MOBILUM: „Derzeit stehen wir als Gesellschaft vor großen Herausforderungen, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu erhalten. Dieses betrifft insbesondere den Erhalt der Vielfalt unserer heimischen Pflanzen- und Tierarten.
Pro Tag sterben weltweit 150 Arten unwiederbringlich aus. In Niedersachsen gilt laut der Roten Liste derzeit rund die Hälfte der heimischen Pflanzen- und Tierarten als gefährdet. Dieses ist eine besorgniserregende Entwicklung, da jede einzelne Art wichtige Leistungen für ein stabiles ökologisches Netzwerk erbringt, in das auch wir eingebunden sind.
Das Land Niedersachsen hat sich im Niedersächsischen Weg bereit erklärt den Biotopverbund zu stärken. Dazu zählt auch eine entsprechende Pflege der Weg- und Feldraine als Vernetzungsstrukturen. Zudem wird durch eine Insektenschonende Pflege der Seitenränder Lebens- und Rückzugsraum für viele Wirbellose erhalten. Auch dies ist erklärtes Ziel im Niedersächsischen Weg, welches durch die Kooperation mit den Bauhöfen erreicht werden kann.
Das gemeinsam entwickelte Konzept sieht unter anderem vor, die Vegetation auf geeigneten Flächen wachsen und sich entwickeln zu lassen und Pflegemaßnahmen grundsätzlich abschnittsweise durchzuführen. Die Mahd soll möglichst spät im Jahr erfolgen und mit einer Mahdhöhe von über 10 bis 15 Zentimetern – etwa einer Handbreite – durchgeführt werden. Zudem sollen bei den Pflegemaßnahmen mindestens zehn Prozent der Vegetation stehen bleiben, auch über den Winter hinweg. Dadurch können Pflanzen und Tiere ganzjährig auf Lebensräume, Rückzugsorte und ein vielfältiges Nahrungsangebot zurückgreifen. Pro Quadratmeter dieser naturnahen Flächen leben 100 bis über 500 Insektenindividuen.
Mit der gemeinsamen Umsetzung der Checkliste möchten die Projektpartner nicht nur auf den eigenen Flächen einen Beitrag zum Artenschutz leisten, sondern auch andere dazu ermutigen, geeignete Flächen naturnäher zu gestalten. Die Projektpartner sehen in der gemeinsamen Checkliste daher auch einen Impuls für Privatpersonen, Unternehmen, Gewerbe- und Handwerksbetriebe, Institutionen und Vereine, die sich ebenfalls für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt einsetzen möchten. Denn viele kleine, naturnah gepflegte Flächen können zusammen ein wertvolles Netz von Lebensräumen bilden.
Partner des Gemeinschaftsprojektes sind der Landkreis Friesland, die Mobile Umweltbildung MOBILUM, die Gemeinde Wangerooge, die Gemeinde Wangerland, die Stadt Jever, die Stadt Schortens, die Gemeinde Sande, die Gemeinde Zetel, die Gemeinde Bockhorn, die Stadt Varel, Naturkieker Friesland, NABU Sande, BUND Friesische Wehde und das RUZ Schortens.
Hinweis: Die Checkliste ist beim Landkreis Friesland sowie bei den beteiligten Kommunen und Bauhöfen erhältlich hier einsehbar: https://nol.is/C9c.
Kontakt: Mobile Umweltbildung MOBILUM, Petra Walentowitz, E-Mail: mobilum@friesland.de, Telefon: 0151 51440267; Landkreis Friesland, Dr. Henrike Wiggering, E-Mail: h.wiggering@friesland.de, Telefon: 04461 919-5111.