Sternenfunkeln statt Lichtverschmutzung über Friesland und der Wattenmeer-Region
von Petra Walentowitz
Dieter Harms
Nachts war es bis vor einigen Jahrzehnten in unserer Landschaft und in unseren Ortschaften bis auf wenige Ausnahmen dunkel, Sterne und Mond waren die einzigen Lichtquellen. Heute ist die Verwendung von Leuchtmitteln für uns eine Selbstverständlichkeit. Die zunehmende künstliche Aufhellung des Nachthimmels hat jedoch vielfältige negative Auswirkungen auf die Natur und den Menschen.
Um die natürliche Dunkelheit zu schützen und die Lichtverschmutzung zu reduzieren, wurde im Jahr 2022 vom Landkreis Friesland, der Mobilen Umweltbildung MOBILUM und der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer die Initiative „Sternenfunkeln über Friesland“ ins Leben gerufen.
Unter dem Titel „Sternenfunkeln am Wattenmeer“ weitet sie ihren Wirkungskreis nun über den Landkreis Friesland hinaus in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Hänel der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde im Rahmen des Interreg-Projekts DARKER SKY auf die gesamte niedersächsische Wattenmeer-Region aus.
Diese Mitmacht-Initiative lädt BürgerInnen, Kommunen, Unternehmen, Institutionen und weitere Akteurinnen und Akteure dazu ein, in den Nachtstunden bewusst die Außenbeleuchtung abzuschalten und nachhaltige Beleuchtungsmittel zu nutzen.
Ein bewusstes Ausschalten nächtlicher Außenbeleuchtung hat viele Vorteile:
Kosten sparen
Die kostengünstigste Kilowattstunde ist diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird. Wer den Energieverbrauch senkt, tut damit gleichzeitig etwas für den eigenen Geldbeutel.
Beitrag zum Klimaschutz
Jede Reduktion des Energieverbrauchs führt zu einer Reduktion der CO2- Emissionen und trägt somit dazu bei, die Klimaschutzziele zu erreichen.
Erhalt der Biodiversität
Ein großer Teil unserer heimischen Tierwelt ist nachtaktiv, bei den Insekten sind es über die Hälfte der Arten. Für diese Lebewesen gehört die Dunkelheit zu ihrem natürlichen Lebensumfeld, ihre Sinnesorgane sind auf die zarten Lichter der Sterne und des Mondes eingestellt. Durch den Einfluss unseres künstlichen Lichtes werden sie in ihrer Lebensweise zum Teil massiv beeinträchtigt.
- Insekten: Nachtaktive Insekten können künstliche Lichtquellen nicht vom Licht der Sterne oder des Mondes unterscheiden. Gelangen sie in den Bann des Kunstlichts, gelingt es ihnen oft nicht mehr, sich von der Lichtquelle zu lösen und den richtigen Weg zu finden. Sie sterben nach langem Umkreisen der Lichtquelle oder nach Irrflügen an Erschöpfung oder Stress. Diese Insekten fehlen als Beutetiere in der Nahrungskette zum Beispiel für Fledermäuse und Singvögel und für die Bestäubung von Blüten.
- Singvögel: Wie bei uns Menschen wird auch das Leben der Vögel durch den natürlichen Wechsel von Licht und Dunkelheit und die jahreszeitlichen Veränderungen der Tageslänge geprägt. Durch nächtliche Beleuchtung werden Singvögel, ob Rotkehlchen, Amsel, Meise etc. zu Änderungen ihrer Aktivitätsphasen und ihres Brutgeschäfts gezwungen. Im hellen Schein von Straßenlaternen, Werbebeleuchtung und Scheinwerfern beginnen sie deutlich zeitiger zu singen, teilweise schon in der Nacht, so dass ihnen Ruhezeiten für ein gesundes Vogeldasein verlorengehen.
- Zugvögel: Über die Hälfte der Zugvögel legen ihre Reisen in der Nacht zurück. Dabei orientieren sie sich unter anderem am Sternenhimmel. Dazu verfügen sie über besondere Sinne (Photorezeptoren), die geringe natürliche Lichtintensitäten wahrnehmen. Ihr komplexes Orientierungssystem kann nur dann optimal funktionieren, wenn eine Jahrtausende alte Grundbedingung erfüllt ist, es also nachts bis auf den Schein von Mond und Sternen dunkel ist. Künstliche Lichtquellen können die Tiere verwirren, so dass sie ihren Kurs verlieren oder energiezehrende Umwege unternehmen.
- Fledermäuse werden von jeglicher künstlicher Beleuchtung, die in ihrer Stärke über der des Mondlichts liegt und die natürliche Helligkeit des Nachthimmels überdeckt, in ihrer Nahrungssuche und Fortpflanzung beeinträchtigt. Sie werden von künstlichem Licht aus ihren Lebensräumen vertrieben, ihre nächtlichen Jagdreviere werden von Lichtkegeln durchschnitten, da sie für sie wie Barrieren wirken und sie werden zu energiezehrenden Umwegen gezwungen. Zudem steht ihnen durch die sich zunehmend verringernde Anzahl nächtlicher Fluginsekten weniger Nahrung zur Verfügung.
- Für wandernde Fische können beleuchtete Brücken zu schwer zu überwindende Barrieren werden.
- Für viele weitere Tiere ist der Einfluss der Lichtverschmutzung noch gar nicht erforscht und bekannt.
Kultur- und Naturgut Sternenhimmel
Alle Generationen vor uns haben in klaren mondlosen Nächten mit dem bloßen Auge einen Sternenhimmel mit vielen tausend Sternen beobachten können. Durch die heutige Lichtverschmutzung sind für uns nur noch wenige hundert Sterne sichtbar.
Der Anblick unserer Milchstraße und der faszinierende Anblick von tausenden funkelnden Sternen verschwinden hinter einem Schleier aus künstlichem Licht unserer Straßenlaternen, Ampeln, beleuchteten Werbetafeln und Außenlichtern unserer Häuser und Gärten. Uns, unseren Kindern und Enkeln ist es heute kaum noch möglich, den Sternenhimmel als Bestandteil unserer natürlichen Umgebung zu erleben, er geht als unmittelbares Naturerlebnis und als Kulturgut zunehmend verloren. Viele mit seiner Beobachtung verbunden bewegenden, faszinierenden und einmaligen Sinneserlebnisse sind uns dadurch nicht mehr möglich.
Beitrag zur Förderung der Gesundheit
Seit Jahrmillionen wird das Leben auf der Erde durch den Rhythmus von Tag und Nacht bestimmt. Auch für uns Menschen ist der Wechsel von Tag und Nacht einer der wichtigsten Taktgeber des Lebens.
Künstliche Lichtquellen stören die Bildung des Schlafhormons Melatonin und haben einen negativen Einfluss auf die Schlafqualität.
• Wie können Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Unternehmen und Institutionen konkret zum Erhalt der natürlichen nächtlichen Dunkelheit beitragen?
- Außenbeleuchtungen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ausschalten (sofern es die Sicherheit nicht beeinträchtigt)
- Wo möglich, Bewegungsmelder nutzen
- Insektenschonende Leuchtmittel mit einem bernsteingelben Lichtspektrum von höchstens 2200 Kelvin verwenden
- Lampen möglichst nach unten ausrichten. Keinesfalls sollten Lampen und Leuchten zur Seite oder nach oben strahlen, denn das beeinträchtigt Insekten, Fledermäuse und Vögel negativ. Das Licht blendet und trägt zur Lichtverschmutzung bei. Licht sollte stets gezielt nur in Bereiche gelenkt werden, die beleuchtet werden müssen.
• So werden Sie Sternenfunkel -Partner oder -Unterstützer
Gemeinsam mit Akteuren von Kommunen, Unternehmen, Institutionen und BürgerInnen wurden 2025 Kriterienkataloge für Kommunen, Unternehmen und Institutionen erarbeitet, die als konkrete Leitlinie und zur Beantragung einer „Sternenfunkel-Partnerschaft“ dienen und sie als „Sternenfunkel-Kommune“, „Sternenfunkel-Unternehmen“ oder „Sternenfunkel-Institution“ auszeichnet.
Sternenfunkel -Partner und -Unterstützer werden auf der Homepage des Landkreises Friesland genannt.
Sternenfunkel-Partner:
Möchte eine Kommune eine Sternenfunkel-Partnerschaft beantragen und sich als „Sternenfunkel-Kommune“ bezeichnen, ist ein politischer Beschluss erforderlich und der Kriterienkatalog für Kommunen einzureichen (jeweils bis zum 31. Mai eines Jahres). Dabei handelt es sich um eine Selbstverpflichtung, die beinhaltet, den Weg als Sternenfunkel-Partner zu gehen und sich künftig für Neuinstallationen an den Empfehlungen dieses Kataloges zu orientieren.
Für eine Partnerschaft als „Sternenfunkel- Unternehmen“ oder „Sternenfunkel-Institution“ ist entsprechend der Beschluss des Vorstandes oder einer ähnlichen verantwortlichen Struktur des Unternehmens/der Institution erforderlich und der Katalog ebenfalls bis zum 31. Mai eines Jahres einzureichen. (Anmerkung: Der Katalog befindet sich derzeit in Vorbereitung und wird voraussichtlich im Februar 2026 fertiggestellt und verfügbar sein).
Sternenfunkeln-Unterstützer
setzen die von Ihnen genannten Maßnahmen um und kommunizieren die Ziele und Inhalte der Initiative (es sind keine Beschlüsse erforderlich).
Dazu bitten wir um die Zusendung folgender Angaben an die E-Mailadresse sternenfunkeln@friesland.de
- Logo des Unternehmens / der Organisation / der Kommune
- Kontaktdaten und Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner
- Aufzählung von Maßnahmen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung und Angabe des Zeitpunktes, seit wann die Maßnahme umgesetzt wird, bzw. ab wann die Umsetzung geplant ist.
- Ein kurzes Statement, warum Ihre Organisation an diesem Projekt teilnimmt und die Projektziele unterstützt
Sollten Sie Fragen Fragen, Anmerkungen oder Anregungen haben, können Sie diese per e-Mail senden an sternenfunkeln@friesland.de
• Informationen
Die Kriterienkataloge, umfassende Informationen zur Sternenfunkel-Initiative "Sternenfunkeln über dem Wattenmeer" und zur Thematik Lichtverschmutzung finden Sie auf der Homepage der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer unter https://www.nationalpark-wattenmeer.de/wissensbeitrag/sternenfunkeln-am-wattenmeer/
Informationen zur Initiative "Sternenfunkeln über Friesland" finden Sie auf der Homepage des Landkreises Friesland unter diesem Link: Sternenfunkeln über Friesland | Landkreis Friesland