Pressegespräch auf dem Zeteler Esch

Gemeinschaftsprojekt zur Förderung der Biodiversität auf dem Zeteler Esch
- Der Niedersächsische Weg in Friesland -

In diesem Jahr startete ein Pilotprojekt in Kooperation des Landkreises Friesland, dem Projekt „Naturkieker“ der Oldenburgischen Landschaft, der Gemeinde Zetel und engagierter Landwirte, mit dem Ziel, einen konkreten Beitrag zum Erhalt der heimischen Pflanzen- und Tierarten zu leisten.

Die Kooperation erfolgt im Rahmen des niedersächsischen Weges, dessen von Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam formuliertes Ziel lautet, die Artenvielfalt, insbesondere die Insektenvielfalt in der landwirtschaftlich geprägten Fläche zu erhöhen. Um dieses erreichen zu können, ist der Dialog aller Beteiligten auf Augenhöhe eine unerlässliche Voraussetzung.

Auf dem Zeteler Esch und auf zwei weiteren Flächen (Zetel-Neuenburg und bei Neustadtgödens) wird im Rahmen des Pilotprojektes ein Bündel verschiedener Maßnahmen umgesetzt. Die umgesetzten Maßnahmen entfalten in ihrem Zusammenspiel eine erhebliche Wirkung, da sie dazu beitragen, ein natürliches Netzwerk in der Landschaft zu knüpfen, und leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität.

I. Maßnahmen auf dem Zeteler Esch und die umsetzenden Akteure:

Die Randstreifen entlang der Wege werden extensiv gemäht, Teilbereiche bleiben den Winter über stehen (Bauhof der Gemeinde Zetel).

  • Mehrere Randstreifen der landwirtschaftlichen Flächen dienen als Pufferstreifen, dort wird auf den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verzichtet (Landwirte).
  • Die Gemeinde Zetel überlässt eine 1279 m² große Fläche, auf der zuvor Mais angebaut wurde, zu einem Teil ihrer natürlichen Entwicklung. Auf der anderen Hälfte erfolgte die Ansaat von ungebeiztem Hafer-Saatgut. Auf den Einsatz von Dünger- und Pflanzenschutzmittel wird auf dieser Fläche verzichtet. Der Anbau von Getreide prägte den gesamten Standort in früherer Zeit (Gemeinde Zetel).
  • Die Randstreifen des sog. „Zeteler Hohlweges“, deren Entwicklung seit 2018 ehrenamtlich betreut wird, werden durch abschnittsweise Pflegemaßnahmen naturnah entwickelt (Ehrenamtliche Betreuung).
  • Zudem erfolgt eine Teilnahme am Wildbienenmonitoring des Thünen-Institutes, Braunschweig. (Dazu wurden zwei Wildbienen-Nisthilfen aufgestellt, die sich aus übereinandergestapelten „Nistetagen“ mit Niströhrchen unterschiedlichen Durchmessers zusammensetzen. Diese werden monatlich fotografiert und zur Auswertung in das ThünenInstitut geschickt. Auf diese Weise lässt sich feststellen, welche Wildbienen dort vorkommen und die Pollen welcher Blüten sie in die Brutzellen für ihren Nachwuchs eintragen. Mit Hilfe dieser Informationen kann später eine gezielte Unterstützung der Wildbienenpopulation erfolgen (Landkreis Friesland, Projekt Naturkieker der Oldenburgischen Landschaft, Gemeinde Zetel)).

 

II. Maßnahmen auf einer Ackerfläche in Zetel/Neuenburg

  • Die Randstreifen entlang einer Ackerfläche bleiben im zweiten Jahr in Folge komplett
    unbewirtschaftet, um der heimischen Flora und Fauna Entwicklungsraum zu geben
    (Landwirt).


III. Maßnahmen auf einer Grünlandfläche bei Neustadtgödens:

  • Teilflächen einer Grünlandfläche wurden bei der ersten Mahd ausgespart, um das dort vorkommende Wiesenschaumkraut zur Blüte kommen zu lassen. Zusätzlich bleiben Randbereiche in diesem Jahr komplett unbewirtschaftet, um der heimischen Flora und Fauna Entwicklungsraum zu geben (Landwirt).

Die Projektbeteiligten:

  • Verena Radek, Landkreis Friesland, Niedersächsischer Weg
  • Petra Walentowitz, Projekt "Naturkieker-Biodiversitätsverbund Oldenburger Land" der Oldenburgischen Landschaft
  • David Heimann, Gemeinde Zetel
  • Landwirte: Jan Szengel, Hergen Haschen, Frank Hobbie, Uwe Hullen, Jan Willem Brand und Richard Schouten
  • Ehrenamtliche Zuständigkeit für die Pflege des Zeteler Hohlweges: Ehepaar Petra und Steffen Walentowitz

Ausblick:

Wunsch und Ziel ist es, das Pilotprojekt auch in den kommenden Jahren fortzusetzen, auf weitere Flächen im Landkreis Friesland auszudehnen und weitere Teilnehmer hinzuzugewinnen, die die Projektidee mit gleicher Begeisterung und Engagement unterstützen. Durch die gemeinschaftliche Zusammenarbeit soll den heimischen Pflanzen mehr Raum für eine langfristige Entwicklung gegeben werden: In diesen artenreichen Vegetationsbeständen stellt sich ein reiches Insektenleben ein. Ihnen folgen weitere Tierarten, wie beispielsweise im Idealfall das Rebhuhn (siehe unten), die dort geeignete Lebensgrundlagen vorfinden. Es entwickelt sich eine natürliche Lebensgemeinschaft.
Beobachtungen auf bereits in den letzten Jahren naturnah entwickelten Flächen sind positiv. Dort konnte beispielsweise eine Belebung u.a. der Insektenvielfalt und des Vogelvorkommens festgestellt werden.

Hintergrundinformation "Biodiversität"

Die Vorkommen von Pflanzen- und Tierarten in unserer Landschaft sind Indikatoren für den ökologischen Zustand, die Qualität und die Stabilität der Lebensgemeinschaften:


Beispiele:
Das Rebhuhn war einst Brutvogel auf dem Zeteler Esch, kann dort jedoch derzeit nicht mehr beobachtet werden. Es benötigt kräuterreiche Vegetationsstrukturen, in denen es Nahrung und ganzjährig Schutz finden kann. Die Küken sind in ihren ersten Lebenswochen auf ein vielfältiges Insektenvorkommen als Nahrung angewiesen.
Der Tagfalter
„Aurorafalter“ ist in seiner Entwicklung vor allem auf das Wiesenschaumkraut als Futterpflanze für seine Raupen angewiesen. Bei entsprechend angepasster Bewirtschaftung kann sich die wiesenschaumkrautreiche Grünlandfläche bei Neustadtgödens als Lebensraum für diesen Schmetterling entwickeln.

Hintergrundinformation "Niedersächsischer Weg":

Der Niedersächsische Weg trat als Vertrag am 25. Mai 2020 in Kraft. Es handelt sich dabei um eine einmalige Vereinbarung zwischen der Landwirtschaft, Naturschutz und der Politik. Der Vertrag besteht aus einem Maßnahmenpaket von 15. Punkten. Darin verpflichten sich alle Beteiligten, Maßnahmen umzusetzen, die zu einem verbesserten Natur-, Arten-, und Gewässerschutz führen.

Um die Ziele des Niedersächsischen Weges zu erreichen, spielt die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Deshalb werden den Bewirtschaftern Anreize geboten, im Rahmen von Förderprogrammen und Maßnahmen im Natur- und Gewässerschutz einen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität zu leisten. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen für die öffentliche Leistung des Naturschutzes bezahlt werden.

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